Kurz vorm Ausrasten

Die Jugendrevolte in Griechenland im Dezember 2008

Erschienen in der ersten Ausgabe von “Klassen-Kampf” (März 2009) auf Seite 2.

Im Dezember kam es in Griechenland zu einem Jugendaufstand nachdem ein 15jähriger Schüler von einem Polizisten ermordet worden ist. Es waren die stärksten Unruhen seit 25 Jahren. Das linksalternative Athener Stadtviertel Exarchia war diversen Meldungen zufolge Mitte Dezember komplett frei von Polizeieinheiten. Aber was ist eigentlich passiert. Und wie kam es dazu?
Die Nachrichten sind sehr unterschiedlich. Die griechische Polizei selbst behauptet, ein Querschläger habe den 15jährigen Alexandros Grigoropoulos in die Brust getroffen, nachdem „30 Autonome“ einen Polizeiwagen angegriffen hätten. Von drei Schüssen, die ein Polizist abgegeben hätte, seien zwei auf den Boden abgegeben worden, von denen einer den Jungen in die Brust getroffen hätte. Eine sehr fragwürdige Geschichte.
Deutlich glaubhafter erscheinen hier die Augenzeugenberichte, die von „kaltblütigem Mord“ sprechen. Nachdem die Jugendlichen aus einer Bar kamen, haben sie die Polizisten „verarscht“ und eine Plastikflasche auf ihren Wagen geworfen. Zwei Minuten nachdem die Situation vorbei war, kamen die Cops zurück; einer der Beiden wirft eine Blitzgranate und der Andere erschießt Alexandros mit einem Treffer in die Brust. Ob er nun einen oder alle drei Kugeln auf den Jungen schoss, das wird hierbei völlig irrelevant.
Rasend schnell breitete sich die Nachricht nicht nur in Athen, sondern in ganz Griechenland aus, und kurz darauf kam es zu den ersten Unruhen, die sich auch auf diverse Inseln des Landes ausbreiteten (Korfu und Kreta, z.B.). Die Wut der Jugend in Griechenland über die miserable ökonomische Situation, unter der sie besonders zu leiden hat – die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 25%! –, kanalisierte sich durch diesen Vorfall mit der Wut gegen den Staat und die Polizeigewalt.
In ganz Griechenland wurden Polizeistationen angegriffen. PolizistInnen wurden verletzt und viele Polizeifahrzeuge zerstört. Aber nicht nur die Staatsgewalt wurde Ziel der Ausschreitungen, sondern auch Symbole des Reichtums, zu dem viele Jugendliche niemals Zugang haben werden. Seit dem Vorfall brennen jede Nacht neue (Nobel-)Läden, (Luxus-)Autos, Banken und Barrikaden. Die Polizei, setzt massiv Tränengas ein, was aber kaum Wirkung auf die Protestierenden hat. Und nachdem die Deeskalationstaktik keinen Erfolg hatte, scheint die Regierung langsam auf hartes Durchgreifen zu setzen. Die Polizei wird mit Steinen und Brandsätzen beworfen und offensiv angegriffen. Auch im Ausland gab es Solidaritätsproteste, etwa Besetzungen von griechischen Konsulaten in Berlin oder London.
Die Jugendrevolte in Griechenland, aber auch die Bildungs- und Jugendproteste in Frankreich, Italien und der BRD in den letzen Monaten sind Folge können als erster Vorzeichen einer europäischen Jugendrevolte gegen Perspektivlosigkeit und Bildungsabbau verstanden werden. Sie sind eine Folge der wachsenden Perspektivlosigkeit unter Jugendlichen.
Basierend auf einem Text von www.revolution.de.com

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  1. 1 Klassen-Kampf #1 fertig! | schulstreik-berlin.de
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