Thor Steinar

Nicht einfach nur eine Modemarke…

Erschienen in der ersten Ausgabe von “Klassen-Kampf” (März 2009) auf Seite 4.

Wieder einmal läufst du von der Schule nach Hause, bist genervt und frustriert, da du erneut 6 Stunden deines sowieso viel zu kurzen Tages verschenkt hast. Eigentlich willst du nur so schnell wie möglich nach Hause, dein Schulzeug in die Ecke schmeißen und dann endlich dein Ding durchziehen. Doch während du an der Ampel stehst fällt dir da dieser Typ auf. Eigentlich wirkt er eher wie der nette Nachbar, aber dennoch irritiert dich irgendetwas an ihm. Er scheint etwa 25 zu sein, trägt eine lässige schwarze Hose und eine sportliche weiße Jacke mit einem ziemlich coolen Aufdruck und einer Norwegenflagge über dem Herzen. Auf den ersten Blick gefällt dir dieser kantig raue Wiking-Style.
Doch Thor Steinar ist keine Marke wie jede andere. Die Marke, die vom Königs-Wusterhausener Neonazi Axel Kopelke eingetragen wurde, versucht mit eindeutig zweideutigen Abbildungen gezielt den Käufer zu verarschen und ihn für die Verbreitung rechten Gedankenguts zu nutzen. Das diese Zweideutigkeit kein Zufall ist, zeigen schon der Name und das Logo der Marke. Thor Steinar bezieht sich in seiner Namensgebung auf den gemanischen Donnergott „Thor“ und den Waffen-SS-General Felix M.J. Steinar und bedient somit nationalsozialistsiche und in der Nazisszene beliebte völkisch-germanische Bezüge. Zudem lassen sich im alten wie im neuen Steinar-Logo verschiedene von SS-Divisionen genutzte Runen finden.
Und das ist nur der Anfang: Eine der beliebtesten „Thor Steinar“-Jacken trägt die Aufschrift „Nordmark“. Zwar bezeichnet das eine Region in Norwegen, doch bei genauer Recherche stellt man fest, das dies auch der Name eines NS-Arbeitslagers bei Kiel war.
Ebenso lehnt sich Thor Steinar an die deutschen Verbrechen der Kaiserzeit an. So werden durch Motive mit der Aufschrift „Ein Platz an der Sonne“, ein Slogan den schon Bernhard von Bülow in der Reichstagsdebatte prägte, beispielsweise die Massenmorde an 75.000 Menschen der Nama- und Hereroethnien legitimiert und deutsche Weltmachtsphantasien propagiert. Motive, die Maschinengewehre zeigen und mit Schriftzügen wie „Waidmanns Heil“ oder „Hausbesuche“, so wie die Shirts mit der Aufschrift „kontaktfreudig“ (mit Blutspritzern versehen) propagieren Gewalttätigkeit und legen den Gedanken an Menschenjagd nahe.
All denen, die die Diskussion um „Thor Steinar“, weiterhin für irgendwelchen „Antifa-Spinnerkram“ halten, sei gesagt das die Marke aufgrund dieser Anspielungen in mehreren Fußballstadien (u.a. bei Hertha und St. Pauli), dem Bundestag und einigen Schulen verboten ist.
Denn das Ziel von „Thor Steinar“ ist es, den Neonazis das Abstreifen des Schläger-Images und das Aufsetzen der netten bürgerlichen Maske zu ermöglichen, da sich unter dieser Tarnung rassistische und faschistische Inhalte wesentlich leichter vermitteln lassen und so die „Modernisierung“ der Neonaziszene gefördert wird.
Wer keinen Bock hat, sich von Nazis benutzen zu lassen, sollte also am besten die „Thor Steinar“-Klamotten im Schrank hängen lassen oder gar nicht erst kaufen.

Jugendantifa Nord

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