Schulstreik!
Am 17. Juni auf die Straße gehen!

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 1.

Die Schule ist für die meisten Jugendlichen kein Ort, den sie gerne Besuchen. Das hat verschiedene Ursachen. Einige haben ein Problem damit, zu unmenschlichen Zeiten aus dem Bett gejagt und vom Staat zum Schulbesuch gezwungen zu werden. Andere kritisieren, dass wir in der Schule nicht für uns, sondern für unsere späteren Arbeitergeber lernen oder kotzen auf die vielen Hausaufgaben ab. Dazu kommt der gnadenlose Konkurrenzkampf unter den SchülerInnen, der vielen zu schaffen macht. Obendrei gehen einem noch autoritäre Lehrer mit ihrem unerträglich öden Frontalunterricht auf die Nerven. Die Klassen sind zu groß, die Schulgebäude heruntergekommen. Immer mehr zentrale Prüfungen wie der MSA und die Verkürzung der Abiturzeit auf 12 statt 13 Jahre führen zu einem noch extremeren Leistungsdruck. Das mehrgliedrige Schulsystem sortiert Schülerinnen und Schüler, die in den ersten Jahren mit dem Schulstoff Probleme haben nach der 6. Klasse aus. Besonders leiden sozial Schwache und Menschen mit Migrationshintergrund unter dieser Diskriminierung. Sie werden auf Hauptschulen mit Perspektivlosigkeit konfrontiert und als „Versager“ stigmatisiert. Die Bildung wird immer stärker den Bedürfnissen der Wirtschaft angeglichen.

Gleichzeitig werden die Kosten für Bildung durch Büchergelder und andere Bildungsgebühren immer stärker auf die Schüler_innen und deren Eltern umgelegt. Die Jugendarbeit der Bezirke wird nach und nach weg gekürzt, wie man an Jugendeinrichtungen bzw. deren Fehlen sehen kann – der Bezirk Pankow ist da nur eines von vielen Beispielen!
Die überarbeiteten Lehrerinnen und Lehrer haben kaum noch Zeit, auch pädagogische Arbeit zu leisten und ein persönliches Verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern aufzubauen. Stattdessen soll ihnen in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Wissen eingetrichtert werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte setzt dabei immer mehr die Wirtschaft. Interessensorientiertes Lernen: Fehlanzeige.

Wie wir sehen gibt es an der Schule und ihrem Zustand so einiges aususetzen. Damit wir uns nicht jeden Tag über die unwürdigen Zustände im Klassenraum aufregen müssen, ohne daran etwas zu ändern, wollen wir im Juni unsere Wut über dieses beschissene Schul- und Bildungssystem auf die Strasse tragen. Unterstützt werden die Schülerinnen und Schüler dabei von den Studierenden.

Denn auch an den Unis wird das Lernen immer unerträglicher. Die Hochschulen werden durch den Bologna-Prozess immer mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geordnet. Dadurch wird das Studieren noch stressiger, weil ähnlich wie in den Schulen bekloppte Benotungssysteme geschaffen werden. Studierendeverbände sprechen in dem Zusammhang von einer „Verschulung der Universiät“. Das heisst, dass selbsständiges und selbstbestimmtes Studieren immer mehr in den Hintergrund rückt und Frontalvorträge und stumpfes Auswendiglernen mehr Raum einnimmt.
Hinter den meisten dieser Probleme mit denen sich die SchülerInnen und Studierende herumschlagen müssen steckt der Sachzwang der kapitalistischen Verwertungslogik. Den in unserem Gesellschaftsystem stehen nicht die Menschen und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt, sondern die Reichtumsvermehrung der Wirtschaft. Und weil die sich gerade in der Krise befindet und dafür viel Geld vom Staat benötigt, um nicht unterzugehen, wird in Zukunft noch mehr Geld im Bildungsbereich eingespart. Jede Wette!
Es sei den wir hören auf, dem Treiben fassungslos und ohnmächtig zuzuschauen und beginnen mal ein bisschen aufzumucken und Remmidemmi zu machen. Denn um auf unsere Probleme aufmerksam zu machen müssen wir selbst Druck auf der Straße ausüben. Durch Versammlungen, Demonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsams.

Beteiligt euch an der bundesweiten Aktionswoche zum Bildungsstreik vom 15. bis zum 19. Juni!
Auf zur Schulstreik-Demonstration am 17. Juni!

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  1. 1 Artikel von Klassen-Kampf #2 | schulstreik-berlin.de
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