Hausaufgaben? Hab ich vergessen

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 6.

Wie oft saß mensch schon stundenlang, bei dem schönsten sonnigsten Wetter, in einem viel zu warmen und stickigem Klassenraum und die Zeit wollte einfach nicht schneller vergehen? Was nach einem schlechten Horrorfilm klingt, ist für Schülerinnen und Schüler jedoch bitterer Alltag. Wenn dann der oft langweilige Unterricht um ist, gehts ab in den Park oder an den nächsten See und der Alltag rückt in weite Ferne. Doch anstatt zu chilln vermießt uns ein schneller Blick ins Hausaufgabenheft den Tag und unsere schlimmsten Befürchtungen erfüllen sich. Sehr viel Text füllt die Seiten. Scheiße! Unsinnige und noch dazu unfreiwillige Aufgaben sind zu erledigen. Es müssen Vorträge vorbereitet, Matheaufgaben gelöst, unzählige französische und englische Vokabeln auswendig gelernt und natürlich das Buch von Thomas Mann gelesen werden. Das erzeugt unnötigen Stress und Furcht vor dem nächsten Schultag, wenn man mal wieder nicht alles oder nicht ganz zur Zufriedenheit des Lehrers erledigt hat.

Am Ende wurde das Meiste eher halbherzig erledigt, einfach von einer Freundin oder aus dem Internet abgeschrieben. Für Tests und Klausuren wird eh nur das Kurzzeitgedächnis trainiert. Der Lerneffekt liegt bei sage und schreibe Null. Klar, das wussten wir schon immer. Jetzt aber bestätigt eine Studie der Technischen Universität Dresden unsere Annahme. Hausaufgaben zu machen hat keinen Lerneffekt und damit auch keinen nachweisbaren Einfluss auf die sonstigen Schulnoten. Viel mehr ist es eine rein pädagogische Maßnahme. Professor Hans Gängler (TU Dresden) sagt, dass gute Schüler durch Hausaufgaben nicht unbedingt besser würden, und das schlechte Schüler durch bloßes wiederholen von Unterrichtsstoff zu Hause, den sie schon vormittags nicht verstanden haben, selbigen noch lange nicht begreifen würden.

Jedes Jahr werden 5 Milliarden Euro für das ausgegeben, was uns eigentlich in der Schule hätte beigebracht werden sollen: für Nachhilfe. Das benachteiligt nicht nur Schüler mit Eltern, die nicht so viel Kohle verdienen, da diese sich den teuren Nachhilfeunterricht nicht leisten können, sondern zeigt auch, dass die Schulen schon lange nicht mehr versuchen, individuell auf Schüler und ihre Probleme einzugehen.

Das wirft kein gutes Bild auf die Hausaufgaben und angesichts dieser Erkenntnisse erlangt der in der Schule so oft gebrauchte Satz: „Ihr lernt fürs Leben“ eine ganz andere Bedeutung. Wir lernen nämlich nicht was wir wollen, sondern nur dass wir die Aufgaben zu erfüllen haben, die uns gestellt werden. Erinnert an einen Roboter, ist aber bittere Realität. Nach der Schule sollten wir perfekt auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sein, die Chefs wirds freuen. Ist ja klar das wir da keinen Bock haben und die Hausaufgaben lieber „vergessen“.

Von: Martin Schöller

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