Politik? Geh mal wech!
Politik ist bei Jugendlichen unpopulär. Warum eigentlich?

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 2.

In der Schule sind ziemlich viele verschiedene Menschen zusammen gesperrt. Klar das dort auch geredet wird, ein Teil nennt sich Unterricht aber der größere und meist interessantere Teil der Gespräche dreht sich um Fußball, Shopping, die Action vom letzten oder die Party-Tour vom nächsten Wochenende. Doch es gibt ein Killer-Thema, das selbst der entspanntesten Atmosphäre eines jähes Ende setzt: Politik.

Wer auf dem Schulhof das Thema, stößt zumeist auf taube Ohren oder muss sich Kommentare wie „Hör ma uff mit Politik“, „Geh wech“ oder „Politik sind doch eh allet Spinna“ gefallen lassen. Aber woran liegt das?
Auf jeden Fall liegt das zum einen daran, dass Schüler gar keinen Bock auf Politik haben, weil sich ja eh kaum was ändert und zum anderen daran, dass Politik fast immer von alten Männern und Frauen gemacht wird, deren Auftreten höchstens so aufregend ist wie das 5-stündige Anglotzen eines Schweizer Käses durch ein Fernglas. Kein Wunder, dass viele Jugendliche nur einmal in 4Jahren mit Politik in Berührung kommen, nämlich dann, wenn in der ganzen Stadt plötzlich wieder hunderte Wahlplakate stehen, die sich super als Graffitiwände nutzen lassen.

Nur schade, dass alle Dosen der Welt nicht reichen, um die Realität, die uns schon am nächsten Kiosk einholt, erträglich zu machen. „Deutsche Schüler immer noch zu dumm!“ titelt die eine und „Unsere Jugend säuft zu viel!“ eine andere Zeitung. Alle heulen rum, weil früher alles besser war, fordern von uns mehr Leistung und weniger Chilln, mehr Disziplin und weniger Drogen, mehr Ordnung und weniger Raubkopien. Dass wir ganz andere Interessen und Bedürfnisse haben als Büffeln und Gehorchen, ist für die meisten Politiker entweder unvorstellbar oder geht ihnen total am Arsch vorbei. Aber ist ja auch nicht so wichtig, was wir wollen, einfach schnell ein neues Gesetz gemacht und alle müssen sich dran halten.

Dass Kiffen immer noch illegal ist: Schuld der Politik! Dass das bemalen von langweiligen grauen Wänden eine Sachbeschädigung sein soll: Schuld der Politik! Dass du fürs „raubkopieren“ in den Knast wandern kannst: Schuld der Politik! Und selbst dass Schule meist stinklangweilig ist: Schuld der Politik!
Wie du siehst, ist das ganze Leben durch Politik bestimmt, alles. Denn wie mensch auch bei Wikipedia nachlesen kann, bezeichnet der Politik „hauptsächlich [...] die Gestaltung der Ordnung in der Welt“. Und auch wenn das jetzt erstmal wahnsinnig groß und abstrakt klingt, so ist es doch ganz einfach zu erklären.

Stellen wir uns einfach mal vor, Politik wäre ein einfaches Jump-and-Run Spiel mit 10 Leveln. Die meisten von uns sind eher Noobs und befinden sich in den ersten Leveln und die Pros, also die Merkels und Obamas dieser Welt, haben sich schon in die Level 9 und 10 durchgezockt.

Jetzt gibt es aber einen Punkt, an dem sich die Realität vom Jump-and-Run unterscheidet: Im Game zockt einer, im Reallife alle gleichzeitig. Und so sind im Reallife auch viele Dinge mit einander verknüpft. Wenn ein Spieler gewinnt, verliert ein anderer. Wenn sich jetzt Gruppen, z.B. Unternehmen oder Parteien bilden, die ihre Aktionen abquatschen, so haben die einzelnen Gruppenmitglieder bessere Chancen zu gewinnen, das Risiko für den Einzelnen, also dich und mich, sinkt und vielleicht können wir zusammen ein neues Level erreichen. Um also etwas zu verändern, ist es notwendig sich zu organisieren. Um zum Beispiel das Schulsystem zu verbessern, müssen sich Schüler, Lehrer und Eltern zusammenschließen und ihrem Ärger gemeinsam Luft machen. Also bildet euch, bildet andere, bildet Banden. Sprüht (mit Sprühkreide) den Schulstreiktermin an eure Schule, malt Transparente, macht Straßentheater oder sonst was, seid kreativ, laut und viele.

Von: Marietta Smoska

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  1. 1 Artikel von Klassen-Kampf #2 | schulstreik-berlin.de
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