[Be!] Gegliedertes Schulsystem zementiert soziale Ungleichheit

Pressemitteilung der SchülerInnen-Initiative „Bildungsblockaden einreißen!“, Berlin, den 13. Juni 2008

  • Gegliedertes Schulsystem zementiert soziale Ungleichheiten
  • Ultimatum an Berliner Senatsverwaltung gestellt

Die SchülerInnen-Initiative „Bildungsblockaden einreißen!“ fordert die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. „Es ist Fakt, dass unser gegliedertes Schulsystem Jugendliche aus sozial schwächeren Schichten oder mit Migrationshintergrund massiv ausgrenzt“, kritisiert Lee Hielscher von der Landesschülervertretung Berlins. „Anstatt Leistungsschwächere einfach ohne Perspektive allein zu lassen müssen gerade sie in einem sozialen Bildungssystem besonders gefördert werden.“

„Zahlreiche Studien belegen, dass ein gutes, gerechtes und individuelles Lernen nur in einem eingliedrigen Schulsystem möglich ist. Die Politik muss das endlich einsehen!“, erklärt Thomas Isensee vom Gesamtschulenverband GGG. Sogar in einer Expertise im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung steht „Statt die Schüler/innen präventiv in ihrer Lernentwicklung zu stärken und bei Lernproblemen zu fördern, werden sie – verbunden mit Versagenszuschreibungen und Stigmatisierungen – aussortiert. Damit wird der hierarchische Charakter des gegliederten Systems offensichtlich.“ 1

Am vergangenen Donnerstag hat die SchülerInnen-Initiative „Bildungsblockaden einreißen!“ der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung ein Ultimatum gestellt. „Es ist höchste Zeit, um allen Zugang zu Bildung zu verschaffen – unabhängig vom Geldbeutel!“, sagt Lee Hielscher. Deshalb fordert die Initiative die sofortige Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit, die Rücknahme des Abiturs in 12 Jahren und die sofortige Einstellung von 3000 LehrerInnen. „Die Schülerinnen und Schüler werden jeden Tag mit dem maroden Bildungssystem konfrontiert. Statt individuellem und personlichem Lernen nach Interesse wird ausschließlich versucht, ihnen möglichst viel Stoff in immer weniger Zeit einzutrichtern und möglichst viel von den Kosten auf die Schülerinnen und Schüler umzulegen – besonders zu Lasten von sozial Schwachen“, erklärt Janine Hassel. „Wenn die Verantwortlichen die Probleme weiter ignorieren, wird es im Herbst Aktionstage mit Streiks in ganz Deutschland geben.“

Die gleichen Probleme existieren auch an den Hochschulen. Durch die Einführung des Bachelor-/Master-Systems wächst der Leistungsdruck auf die Studierenden immer mehr und die Möglichkeiten zum kritischen und selbstbestimmten Studieren schrumpfen. „Die soziale Auslese ist auch hier deutlich zu sehen“, sagt Stefan Bommer von der Freien Universität Berlin. Deswegen wird die sofortige Verlängerung des Bachelors auf 8 Semester, ein unbeschränkter Masterzugang für alle Studierenden und generell die Abschaffung des Numerus Clausus gefordert.

Die symbolische Übergabe des Ultimatums an Herrn Stryck von der Senatsverwaltung für Bildung, wissenschaft und Forschung am Donnerstag fand im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages statt, zu dem das Bundesweite Schulstreikbündnis aufgerufen hatte. In etwa einem Dutzend Städten demonstrierten rund 15.000 Schülerinnen und Schüler für individuelleres Lernen, bessere Ausstattungen von Bildungseinrichtungen und kostenlose Bildung.

1 Pilotphase für die Gemeinschaftsschule in Berlin - Expertise zur Implementation und Gestaltung der Gemeinschaftsschule in Berlin; Prof. Dr. Heinz Günter Holtappels (Technische Universität Dortmunds); Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS)

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