Mit einer Mehrheit von 96,7% haben die gewerkschaftlich organisierten Gebäude- und Glasreiniger in einer Urabstimmung vergangene Woche für einen unbefristeten Streik der bundesweit 860.000 Angestellten in dieser Branche ab Dienstag, den 20.10. gestimmt. Hintergrund ist die Forderung nach einer massiven Verbesserung der Arbeitsbedingungen und 8,7 % mehr Lohn. Die SchülerInnen-Initiative “Bildungsblockaden einreißen!” solidarisiert sich mit den Protesten der Gebäude- und Glasreiniger:
Jeder von uns weiß noch aus seiner eigenen Jugend, wie unbeliebt das Zimmeraufräumen, Wischen der Scheiben oder Putzen der Klos ist. Und obwohl jeder Mensch eigentlich weiß, wie wichtig Euer Beruf ist, wird Euch nur wenig Respekt entgegengebracht.
Umso schlimmer ist es deshalb, dass die Arbeit, die Ihr leistet, von so vielen Menschen kaum gewürdigt wird. Das geht einher mit den extrem miesen Arbeitsbedingungen, unter denen die 860.000 legalen Gebäude- und Glasreiniger leiden. Bei Stundenlöhnen von oft weniger als 7 Euro pro Stunde und Arbeitszeiten mitten in der Nacht stellt sich zu Recht die Frage, wie man oder meist frau die simpelsten Grundbedürfnisse des Lebens befriedigen soll. Davon ganz abgesehen, dass unserer Meinung nach der Wunsch, auch mal ins Kino oder Theater zu gehen oder mal zu verreisen angesichts des gesellschaftlichen Reichtums und der enormen Profite alles andere als unverschämter Luxus ist.
Auch für uns Schülerinnen und Schüler sind die Schulen, in denen Ihr putzen müsst, kein Ort des Vergnügens. Bei einer immer schlechter werdenden Ausstattung der Schulen müssen wir in immer kürzerer Zeit immer mehr Stoff pauken. Für die jetzigen 10. und alle nachrückenden Klassen wird es in Zukunft nur noch 12 statt 13 Jahre geben, um das Abi zu machen. Gleichzeitig werden die Klassen immer größer und die mehr und mehr überlasteten Lehrerinnen und Lehrer können immer weniger auf individuelle Probleme eingehen.
Der eigentliche Grund für diese menschenunwürdigen Lern- und Arbeitsbedingungen liegt darin, dass wir nicht etwa zur Befriedigung unserer Interessen oder der Bedürfnisse der Gesellschaft lernen und arbeiten, sondern dass alles auf die Profite der Unternehmen abzielt. Dass die Klos dabei sauber werden ist für die Arbeitgeber reine Nebensache, wirklich interessant sind z.B. der operative Gewinn und die Mehrwertrate.
Um den Profit zu erhöhen, versuchen die Besitzer der Produktionsmittel zwangsläufig, die Lohnkosten zu drücken. Für sie reicht es, wenn die Arbeiter sich von Wasser und Brot ernähren können und jeden Tag aufs neue bei der Arbeit erscheinen und für ihn Profite erwirtschaften. Eine Politik, die die Interessen der Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter vertritt, befindet sich also ständig im Widerspruch zu den Interessen der Konzerne und sogenannten „Arbeitgeber“ und wird ständig unter Druck gesetzt, keine kämpferische Politik zu machen - „wilde Streiks“ oder dergleichen werden sofort zerschlagen und entschlossene Gewerkschafter kriminalisiert, wie z.B. in München, wo ein Gewerkschafter für das Verteilen von Flugblättern zu einer Geldstrafe von mehr als 1.000 Euro verurteilt wurde. Und das ist nicht nur in Deutschland so:
So wurde vor einigen Tagen die Zentrale der baskischen Gewerkschaft LAB von der spanischen Spezialpolizei gestürmt und ein Vorstandsmitglied wegen angeblicher Unterstützer des Terrorismus verhaftet. Solche willkürlichen Verhaftungen und die dazugehörigen Rechtsbeugungen sind in der aufgeheizten Stimmung des spanisch-baskischen Konflikts an der Tagesordnung. So versucht der spanische Staat, die kämpferische Gewerkschaftsbewegung und die starke pro-baskische Linke zu schwächen.
Wir, Schülerinnen und Schüler, die sich gegen die miserablen Bedingungen im Bildungssystem kämpfen, solidarisieren uns mit eurem bundesweiten Streik. Wir finden es wichtig, dass sich die von den sozialen Angriffen der Herrschenden Betroffenen gegenseitig unterstützen und ihren Widerstand gegen Arbeits- und Lebensbedinungen, die kaputt machen, in Bezug zueinander setzen. Auch im europäischen Kontext! Deshalb protestieren wir hier und heute auch gegen die Verhaftungen und Kriminalisierung von Gewerkschaftern im Baskenland und schicken ihnen unsere solidarischen Grüße. Für uns ist klar, dass wir gerade in Zeiten der Globalisierung nur gemeinsam Erfolg haben können. Ob in Spanien, Deutschland oder Türkei – die Probleme von Arbeiterinnen und Schülerinnen sind im wesentlichen die selben – weil ihre Ursachen die selben sind!
Kämpfen wir zusammen gegen Ausbeutung und Unterdrückung!
Hoch die internationale Solidarität!
Solidarische und kämpferische Grüße von der SchülerInnen-Initiative „Bildungsblockaden einreißen!“ – Wir wünschen euch viel Kraft und Erfolg!
0 Responses to “Solidarität mit den streikenden Gebäude- und Glasreinigern!”