Teile der Uni Leipzig besetzt

Diesee Meldung erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 2.

Seit dem 15. April sind Teile der Universität Leipzig besetzt. Etwa 50 Aktivisten besetzten das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Universität. Sie protestieren damit gegen die untragbaren Studienbedingungen die als Folge des „Bologna-Prozesses“ und der massiven Unterfinanzierung der Bildungseinrichtungen überall zu spüren sind.

Bereits am zweiten Tag der Besetzung zogen die Aktivisten in 5 Räume des Neuen Seminar-Gebäudes um – denn eines war klar: Die Diskussion um Bildungsblockaden und die Frage, wie sie eingerissen werden können, braucht Zeit und Raum. Seit mehreren Wochen wohnt, kocht und diskutiert die sehr gemischte Gruppe in den besetzten Räumen gemeinsam. „Den ganzen Tag lang gibt es hier Infostände und offene Workshops für alle, in denen wir mit allen interessierten über die Probleme im Bildungsbereich und gesellschaftliche Gründe dafür diskutieren“, so eine Besetzerin. Unter den anderen Studierenden und auch bei einigen Professoren gebe es viel Zustimmung für die Aktion. Auch vom Rektorat der Universität würde mit Verständnis reagiert. „Als nächstes steht bei uns eine stärkere Vernetzung mit dem Bildungsstreik an. Und vielleicht können wir es auch in Deutschland irgendwann schaffen, dass alle Universitäten und Schulen mehrere Wochen dicht bleiben.“

Terroristenjagd: Schulstreiker von Polizei gesucht

Diese Meldung erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 6.

Mit Fahndungsplakaten werden nicht nur vermeintliche Al-Qaida-Terroristen gejagt. Die Berliner Polizei hält 37 Schüler für gefährlich genug, um nach ihnen mit öffentlich ausgehängten Fahndungsplakaten zu suchen. Vorgeworfen wird ihnen, sich am 12. November am bundesweiten Schulstreik und der Streikdemo in Berlin beteiligt zu haben. Bei dieser Demonstration für eine ganz andere Bildungspolitik, an der sich 10.000 Schülerinnen und Schüler beteiligten, kam es zu eine kurzfristigen Besetzung der Humboldt Universität. Während dieser Besetzung wurden ein paar Manager, die sich das Audimax der Uni für ein Meeting gemietet hatten, aufgeschreckt und unzählige Klopapierollen durch die Gegend geworfen.

Leider wurde in dieses ganzen Trubel auch eine Ausstellung über jüdische Unternehmen während der Nazizeit beschädigt. Politik, Medien und Polizei nutzten diesen bedauerlichen Zwischenfall um den Schulstreik zu kriminalisieren. Der Höhepunkt dieser Kriminalisierung sind die Fahndungsplakate, welche die Polizei seit April aushängt. Den Abgebildeten wird u.a. besonders schwerem Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und Volksverhetzung unterstellt.

Es ist wichtig sich von der Polizei nicht einschüchtern zu lassen. Sorgt dafür das die Fahndungsplakate in euren Schulen nicht hängen. Und nicht vergessen: Petzen sind das letzte. Denn auf den Fahndungsfotos sind zwar nur 37 SchülerInnen, doch gemeint sind wir alle.

Boss-Napping: Manager von Streikenden entführt

Diesee Meldung erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 5.

Es ist Krise und während man in Deutschland schufften geht in der Hoffnung, dass irgendwann wieder alles besser wird, haben sich französische Arbeiter eine neue Form des Protestes einfallen lassen. Sie bemerkten wie wir auch, dass viele Chefs noch nicht einmal dazu bereit sind mit ihren Angestellten über Probleme zu reden, weshalb sie sich eine neue Aktionsform ausgedacht haben: das „Bossnapping“.

Wie der Name schon vermuten lässt wird hierbei der Boss gekidnappt. Das heißt aber nicht, dass man diesen einfach wie im Actionfilm in einen Kofferraum sperrt und durch die Gegend chauffiert (wäre natürlich auch lustig, aber es hat ja nicht immer jemand eine Kamera dabei), sondern das man ihn einfach nicht mehr aus seinem Büro heraus lässt, wodurch er zu Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern gezwungen ist.

Diese für viele unerwartete und drastische Aktionsform zeigt die ganze Wut französischer Angestellter und hat auch schon für erste Erfolge gesorgt, so hat sich zum Beispiel der Caterpilar-Manager (ihr wisst schon Caterpillar sind die mit den Baggern und Bulldozern) dazu bereit erklärt weniger Stellen zu streichen als geplant. Ob zu den 6 bekannten „Bossnapping“-Aktionen (u.a. bei Sony) noch welche hinzukommen und ob dieses Aktionskonzept auch in anderen Ländern Anklang findet, wird man sehen. Gerüchten zu Folge haben einige Manager schon schlotternde Knie. Es bleibt abzuwarten, ob Schüler und Studenten auf die Idee kommen, diese Aktionsform in den kommenden Bildungsproteste aufzugreifen.

Studis wollen Streik: Vollversammlungen in Berlins Unis

Diesee Meldung erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 4.

Zur Vorbereitung des bundesweiten Bildungsstreiks hat es an den Berliner Universitäten studentische Vollversammlungen gegeben. Die Themen reichten von der Protestwochenplanung über den Streß mit dem Bachelor und die allgemein schlechten Studienbedingungen bis zur Finanzmisere der Hochschulen.

Überschattet wurde die FU-Vollversammlung, die sich auch gegen den Demokratieabbau an Unis aussprach, von einer Aktion der Berliner Polizei. Sie sicherte sich offenbar einen Audiomitschnitt.
Bereits jetzt planen die Studenten Protestaktionen in über 20 Städten und es besteht die akute Gefahr, das diese wie schon der letzte Schulstreik in Berlin kriminalisiert werden.

Auch in Potsdam schlossen sich die Studierenden bei einer VV den Bildungsprotesten an. Mit überwältigender Mehrheit verabschiedeten 541 der 555 Anwesenden vier Kernforderungen. Neben der Verbesserung der Lernbedingungen und mehr Selbstbestimmung fordern sie vor allem eine Demokratisierung des Bildungssystems und kostenfreie Bildung für alle frei von Selektion und Konkurrenzdenken.

Politik? Geh mal wech!
Politik ist bei Jugendlichen unpopulär. Warum eigentlich?

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 2.

In der Schule sind ziemlich viele verschiedene Menschen zusammen gesperrt. Klar das dort auch geredet wird, ein Teil nennt sich Unterricht aber der größere und meist interessantere Teil der Gespräche dreht sich um Fußball, Shopping, die Action vom letzten oder die Party-Tour vom nächsten Wochenende. Doch es gibt ein Killer-Thema, das selbst der entspanntesten Atmosphäre eines jähes Ende setzt: Politik.

Wer auf dem Schulhof das Thema, stößt zumeist auf taube Ohren oder muss sich Kommentare wie „Hör ma uff mit Politik“, „Geh wech“ oder „Politik sind doch eh allet Spinna“ gefallen lassen. Aber woran liegt das?
Auf jeden Fall liegt das zum einen daran, dass Schüler gar keinen Bock auf Politik haben, weil sich ja eh kaum was ändert und zum anderen daran, dass Politik fast immer von alten Männern und Frauen gemacht wird, deren Auftreten höchstens so aufregend ist wie das 5-stündige Anglotzen eines Schweizer Käses durch ein Fernglas. Kein Wunder, dass viele Jugendliche nur einmal in 4Jahren mit Politik in Berührung kommen, nämlich dann, wenn in der ganzen Stadt plötzlich wieder hunderte Wahlplakate stehen, die sich super als Graffitiwände nutzen lassen.

Nur schade, dass alle Dosen der Welt nicht reichen, um die Realität, die uns schon am nächsten Kiosk einholt, erträglich zu machen. „Deutsche Schüler immer noch zu dumm!“ titelt die eine und „Unsere Jugend säuft zu viel!“ eine andere Zeitung. Alle heulen rum, weil früher alles besser war, fordern von uns mehr Leistung und weniger Chilln, mehr Disziplin und weniger Drogen, mehr Ordnung und weniger Raubkopien. Dass wir ganz andere Interessen und Bedürfnisse haben als Büffeln und Gehorchen, ist für die meisten Politiker entweder unvorstellbar oder geht ihnen total am Arsch vorbei. Aber ist ja auch nicht so wichtig, was wir wollen, einfach schnell ein neues Gesetz gemacht und alle müssen sich dran halten.

Dass Kiffen immer noch illegal ist: Schuld der Politik! Dass das bemalen von langweiligen grauen Wänden eine Sachbeschädigung sein soll: Schuld der Politik! Dass du fürs „raubkopieren“ in den Knast wandern kannst: Schuld der Politik! Und selbst dass Schule meist stinklangweilig ist: Schuld der Politik!
Wie du siehst, ist das ganze Leben durch Politik bestimmt, alles. Denn wie mensch auch bei Wikipedia nachlesen kann, bezeichnet der Politik „hauptsächlich [...] die Gestaltung der Ordnung in der Welt“. Und auch wenn das jetzt erstmal wahnsinnig groß und abstrakt klingt, so ist es doch ganz einfach zu erklären.

Stellen wir uns einfach mal vor, Politik wäre ein einfaches Jump-and-Run Spiel mit 10 Leveln. Die meisten von uns sind eher Noobs und befinden sich in den ersten Leveln und die Pros, also die Merkels und Obamas dieser Welt, haben sich schon in die Level 9 und 10 durchgezockt.

Jetzt gibt es aber einen Punkt, an dem sich die Realität vom Jump-and-Run unterscheidet: Im Game zockt einer, im Reallife alle gleichzeitig. Und so sind im Reallife auch viele Dinge mit einander verknüpft. Wenn ein Spieler gewinnt, verliert ein anderer. Wenn sich jetzt Gruppen, z.B. Unternehmen oder Parteien bilden, die ihre Aktionen abquatschen, so haben die einzelnen Gruppenmitglieder bessere Chancen zu gewinnen, das Risiko für den Einzelnen, also dich und mich, sinkt und vielleicht können wir zusammen ein neues Level erreichen. Um also etwas zu verändern, ist es notwendig sich zu organisieren. Um zum Beispiel das Schulsystem zu verbessern, müssen sich Schüler, Lehrer und Eltern zusammenschließen und ihrem Ärger gemeinsam Luft machen. Also bildet euch, bildet andere, bildet Banden. Sprüht (mit Sprühkreide) den Schulstreiktermin an eure Schule, malt Transparente, macht Straßentheater oder sonst was, seid kreativ, laut und viele.

Von: Marietta Smoska

Der Streik an den Hochschulen
Studiengebühren, Bologna-Prozess. Der Protest an Unis hat Geschichte

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 4.

Die Vorlesungen und Übungen dauerten von 8 bis 18 Uhr, das Protokoll musste am nächsten Morgen abgeben werden. Der 25-jährigen Biochemie-Student Paul Dembny blieb gleich an der Freien Universität Berlin, übernachtete im Fachschaftsraum, damit er das Protokoll bis acht Uhr morgens fertigbekommen konnte.

Die Nacht durchstudieren, um das enorme Arbeitspensum unter konstantem Zeitdruck zu bewältigen, ist inzwischen Normalität in Bachelor-Deutschland. Denn seit 1999 wurde das Hochschulwesen in ganz Europa im sogenannten „Bologna-Prozess“ massiv umgekrempelt. Das Ergebnis: In den neuen Bachelor-Studiengängen ist das Studium stark verschult. Statt Zeit für eigene Forschung und sind die Semester mit Auswendiglernen überfüllt. Eine Prüfung jagt die andere. Wahlfreiheiten sind weitgehend abgeschafft. Die Folge sind hohe Abbrecherquoten.

Hinzu kommt, dass völlig unterfinanzierte Fachbereiche mit systematischer Überforderung durch ständigen Arbeits- und Prüfungsdruck möglichst viele Studierende nach einem oder zwei Semestern zum Abbrechen zwingen wollen. Nur so meinen die Institutsdirektoren den Lehrbetrieb in den überfüllten Hörsälen aufrecht erhalten zu können, während immer mehr Lehrstellen zusammengestrichen werden.

Hinter den zunehmend unzumutbaren Studienbedingungen steht die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen. In den letzten Jahrzehnten ist die Hochschulbildung regelrecht finanziell ausgetrocknet worden. Gleichzeitig haben sich die Studierendenzahlen seit 1975 bis heute mehr als verdoppelt. Um in etwa die Werte – pro Studierendem – von 1975 zu erreichen, müssten die Hochschulausgaben um 201 Prozent also 36,3 Mrd. Euro steigen.
Das Ergebnis der chronischen Unterfinanzierung sind straffere Prüfungsordnungen, während sich gleichzeitig die Betreuungsverhältnisse von Studierenden zu Lehrenden verschlechtern. Zwanzig Minuten vor der Vorlesung zu versuchen, noch einen freien Platz in dem bereits völlig überfüllten Hörsaal zu bekommen, ist für viele Studierende zur alltäglichen Erfahrung geworden. Andere werden gleich von den Professoren aus den überfüllten Seminaren geworfen – die Absolvierung des Pflichtstudiums in der vorgegebenen Zeit wird so für viele zur beinah unerfüllbaren Aufgabe.

Die Überfüllung der deutschen Hochschulen ist dabei nur die logische Folge einer Politik, die sich schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr daran orientiert, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu bilden. Denn Interessenten gibt es durchaus - nur keine Plätze. So bewarben sich an der FU Berlin letztens 32.000 Abiturienten um nur 3.400 Studienplätze.
Der dadurch erst so richtig entfachte Wettbewerb um den Studienplatz verschärft die soziale Selektion im Bildungssystem. So kommen 60% der Studierenden aus Akademikerfamilien - dabei machen diese an der gesamten Bevölkerung nur einen kleinen Teil aus.

Entsprechend wächst der Unmut an den Hochschulen – gleichzeitig blieb es bislang bei vereinzelten Protesten. Im Juni könnte sich das ändern. Inspiriert von den Streiks der Schülerinnen und Schüler, hat sich nun auch an den Hochschulen ein breites Bündnis gebildet. Mit dem Bildungsstreik könnte es nun auch an den Hochschulen gelingen, bundesweit schlagkräftigen Protest aufzubauen – ausgerechnet in einer Zeit in der sich durch die Krise die Auseinandersetzung um die Bildungsfinanzierung durch zuspitzen dürfte. Wurde bislang mit Verweis auf fehlende finanzielle Mittel jede Verschlechterung gerechtfertigt, ist nun die Rechtfertigungslogik für Kürzungen wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Die Milliardenspritzen für die Banken macht deutlich, dass es durchaus möglich ist umfassend Mittel zu investieren – wenn es politisch gewollt ist.

Gleichzeitig drohen nach den Bundestagswahlen neue Kürzungen. Am 30. April hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bereits alle neu beschlossenen Bildungsinvestitionen angesichts der Krise unter „Haushaltsvorbehalt“ gestellt. Damit wird immer klarer wohin nach dem Willen der Politik die Reise gehen soll: Die Milliardenspritzen für die Banken sollen bei Kürzung der Ausgaben für Bildung und Soziales wieder reingeholt werden. Ob ihnen das gelingt, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob wir ausreichend Gegendruck auf die Regierung aufzubauen können.

Die Bedingungen dafür sind nicht schlecht. Denn in der Krise stehen die Regierungen unter Druck, reagieren sensibel auf Proteste. In Frankreich sah sich die Sarkozy-Regierung im Dezember durch massive Schülerproteste gezwungen, eine Oberstufenreform zurückzunehmen. Bildungsministers Xavier Darcos begründete das mit den „sozialen Spannungen, die offensichtlich ihre Ursachen außerhalb des Schulbereichs haben“: „Wir haben heute ein Klima, das keine ernsthafte Diskussion zulässt.“ Die Befürchtung der französischen Regierung: Die Proteste der Schülerinnen und Schüler könnten breiter in die Gesellschaft ausgreifen.

Dass Widerstand erfolgreich sein kann, zeigen auch die Studentenproteste in Hessen. Dort konnte die Studierendenbewegung gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern und anderen sozialen Bewegungen einen so starken Druck aufbauen, dass Studiengebühren ein Jahr nach Einführung wieder abgeschafft wurden. Der Druck der Studierenden führte dazu, dass selbst SPD und Grüne, die in anderen Ländern Studiengebühren oder Studienkonten mittragen, die Landtagswahlen zu einer Abstimmung über Studiengebühren gemacht haben. Selbst der mittlerweile wiedergewählte CDU-Ministerpräsident Roland Koch hat angekündigt, Studiengebühren nicht noch einmal einführen zu wollen.

Weitere Infos: www.bildungsstreik2009.de

Von: Jonas Rest

Action, Action, Action!
Mit kreativen Aktionen vor Ort die Bildungsstreikwoche zum Erfolg machen - einige Ideen… Continue reading ”

Dich kennen wir schon: Repression

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 7.

In den letzten Jahren hat sich leider immer wieder gezeigt, dass streikende Schüler bei Schulleitern oft nicht nur auf Unverständnis gestoßen sind, sondern auch immer wieder mit Repression konfrontiert wurden. Die Palette von Maßnahmen, die sich Schulleiter ausgedacht haben, um uns unter Kontrolle zu behalten, reicht von unentschuldigten Fehltagen und 6en bis zum Einschließen in Schulen und Tadeln. Solche Versuche, Protest zu unterbinden sind nicht nur unverschämt, sondern teilweise auch illegal. „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln“ (Grundgesetz, Artikel 8)

Hier sind einige Tipps, wie Ihr den häufigsten Maßnahmen entgehen könnt:
Fehltage: Gegen Fehltage lässt sich leider nicht viel machen. Wenn ihr allerdings von euren Eltern ein Entschuldigungsschreiben bekommt oder ein Attest vom Arzt habt, also gar nicht gestreikt habt, sondern „krank“ ward, dann sieht der Streiktag auf dem Zeugnis aus wie ein Krankheitstag.

Schlechte Noten: Schlechte Noten dürfen euch Lehrer nur geben, wenn an diesem Tag eine Klassenarbeit oder ein Test geschrieben wurde. Ist das nicht der Fall, muss die Stunde genauso bewertet werden, wie wenn ihr krank gewesen wärt - also gar nicht!

Schulverweise: Schulverweise sind ein sehr drastisches Mittel, sie werden deshalb auch nur sehr selten ausgesprochen. Damit ihr einen Verweis bekommt, muss jedoch die Schulkonferenz zustimmen, in der je 2 Lehrer, Eltern und Schüler sitzen. Es ist also leicht machbar, dort eine Mehrheit gegen den Verweis zu bekommen.

Aber auch die Schüler, die ohne Ärger durch die Schule gekommen sind, oder sich nicht haben einschüchtern lassen, können durchaus noch welchen bekommen. In den letzten Jahren hat die Berliner Polizei gezeigt, das sie auch nicht davor zurückschreckt, friedlichen Schülern z.B. die Nasen zu brechen (22. Mai 2008). Immer wieder kam es zu Übergriffen der Polizei und auch vereinzelt zu festnahmen. Deshalb hier noch ein paar Tipps wie Ihr euch auf der Demo verhalten solltet:

1. Geht wenn möglichst mit Freunden zur Demo, passt auf einander auf und weist einander auf Gefahren hin.

2. Trinkt keinen Alkohol und nehmt keine Drogen! Falls es wieder einmal zu einer kritischen Situation kommen sollte, braucht ihr einen ungetrübten Verstand und müsst schnell reagieren können.

3. Verhaltet euch in allen Situationen ruhig und besonnen. Rennt auf keinen Fall panisch los! Polizisten haben einen Tunnelblick für alles was rennt.

4. Wenn ihr festgenommen werdet, ruft umstehenden Leuten euren Namen und euer Geburtsdatum zu! Redet nicht mit den Cops, nicht einmal über das Wetter! Ihr müsst ihnen nur das sagen was auf eurem Personalausweis steht. In einer solchen Situation versucht die Polizei gerne mit nettem Zureden die Angst der Verhafteten auszunutzen und ihnen Geständnisse unterzujubeln. Unterschreibt nichts! Auch wenn Cops gern etwas anderes behaupten, seid ihr nie dazu verpflichtet! Euch dürfen auch nie Nachteile darauf erwachsen, dass ihr erst mal gar nichts gesagt habt - auch zu den abstrusesten Vorwürfen könnt ihr euch immer noch später äußern!

5. Wenn ihr festgenommen wurdet oder Festnahmen beobachtet, ruft den Ermittlungsausschuss (EA) an, der kümmert sich um euch. Sagt nichts über den Tatvorwurf oder gar, war ihr „wirklich“ getan habt, der EA wird abgehört! Wenn ihr wieder rauskommt, meldet euch beim EA ab, weil sonst nach euch gesucht wird. Telefon: 030-6922222

6. Wenn ihr wieder zu Hause seid, schreibt ein privates Gedächtnisprotokoll über die Ereignisse, damit ihr euch auch nach Monaten erinnern könnt, falls ihr Ärger mit der Polizei bekommt.

Von: Anna & Arthur

Hausaufgaben? Hab ich vergessen

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 6.

Wie oft saß mensch schon stundenlang, bei dem schönsten sonnigsten Wetter, in einem viel zu warmen und stickigem Klassenraum und die Zeit wollte einfach nicht schneller vergehen? Was nach einem schlechten Horrorfilm klingt, ist für Schülerinnen und Schüler jedoch bitterer Alltag. Wenn dann der oft langweilige Unterricht um ist, gehts ab in den Park oder an den nächsten See und der Alltag rückt in weite Ferne. Doch anstatt zu chilln vermießt uns ein schneller Blick ins Hausaufgabenheft den Tag und unsere schlimmsten Befürchtungen erfüllen sich. Sehr viel Text füllt die Seiten. Scheiße! Unsinnige und noch dazu unfreiwillige Aufgaben sind zu erledigen. Es müssen Vorträge vorbereitet, Matheaufgaben gelöst, unzählige französische und englische Vokabeln auswendig gelernt und natürlich das Buch von Thomas Mann gelesen werden. Das erzeugt unnötigen Stress und Furcht vor dem nächsten Schultag, wenn man mal wieder nicht alles oder nicht ganz zur Zufriedenheit des Lehrers erledigt hat.

Am Ende wurde das Meiste eher halbherzig erledigt, einfach von einer Freundin oder aus dem Internet abgeschrieben. Für Tests und Klausuren wird eh nur das Kurzzeitgedächnis trainiert. Der Lerneffekt liegt bei sage und schreibe Null. Klar, das wussten wir schon immer. Jetzt aber bestätigt eine Studie der Technischen Universität Dresden unsere Annahme. Hausaufgaben zu machen hat keinen Lerneffekt und damit auch keinen nachweisbaren Einfluss auf die sonstigen Schulnoten. Viel mehr ist es eine rein pädagogische Maßnahme. Professor Hans Gängler (TU Dresden) sagt, dass gute Schüler durch Hausaufgaben nicht unbedingt besser würden, und das schlechte Schüler durch bloßes wiederholen von Unterrichtsstoff zu Hause, den sie schon vormittags nicht verstanden haben, selbigen noch lange nicht begreifen würden.

Jedes Jahr werden 5 Milliarden Euro für das ausgegeben, was uns eigentlich in der Schule hätte beigebracht werden sollen: für Nachhilfe. Das benachteiligt nicht nur Schüler mit Eltern, die nicht so viel Kohle verdienen, da diese sich den teuren Nachhilfeunterricht nicht leisten können, sondern zeigt auch, dass die Schulen schon lange nicht mehr versuchen, individuell auf Schüler und ihre Probleme einzugehen.

Das wirft kein gutes Bild auf die Hausaufgaben und angesichts dieser Erkenntnisse erlangt der in der Schule so oft gebrauchte Satz: „Ihr lernt fürs Leben“ eine ganz andere Bedeutung. Wir lernen nämlich nicht was wir wollen, sondern nur dass wir die Aufgaben zu erfüllen haben, die uns gestellt werden. Erinnert an einen Roboter, ist aber bittere Realität. Nach der Schule sollten wir perfekt auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sein, die Chefs wirds freuen. Ist ja klar das wir da keinen Bock haben und die Hausaufgaben lieber „vergessen“.

Von: Martin Schöller

Fürs Leben lernen wir
Die Schule, der Staat, die Wirtschaft und der zweifelhafte Sinn des Ganzen

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 6.

Du lernst doch nicht für die Lehrer oder deine Eltern, sondern für dein Leben!“ Diesen Satz haben viele bestimmt schon einmal gehört, wenn die Zensuren und die Motivation zum Lernen nicht so in Ordnung waren, wie es andere von einem erwartet haben. Aber was ist eigentlich dran, an diesem Versprechen?

Für die Bildung der Menschen richtet der Staat Schulen und Universitäten ein, in denen Lehrer und Professoren zumeist jungen Leuten die Inhalte verschiedenster Fächer beibringen sollen. Ab und an entschließen sich dann auch die Wirtschaft oder gar die katholische und evangelische Kirche dazu für die Bildung der Menschen zu sorgen und richten Bildungsstätten ein, die nocheinmal in einzelnen Themengebieten etwas spezielleres Wissen vermitteln, insgesamt aber doch der Kontrolle durch den Staat unterliegen. Man sollte sich also an dieser Stelle fragen, was der Staat – und auch die Wirtschaft – sich von einem Milliarden Euro teuren Bildungssystem versprechen.

Ein wesentlicher Grund, weshalb die Bildung vom Staat in die Hand genommen wird und nicht uns selbst oder den Eltern überlassen bleibt, ist der, dass wir im Erwachsenenleben später arbeiten gehen und unseren Alltag ohne Hilfe bewältigen können sollen und müssen. Das theoretische Handwerkszeug dafür bringt uns die Bildung. Damit soll einerseits sicher gestellt werden, dass es immer genug Leute gibt, die ordentlich ausgebildet sind um die Aufgaben in den Firmen und Betrieben erfüllen zu können oder zumindest soviel Grundwissen haben, dass sie dann mit einer Weiterbildung fit für den Job sind. Andererseits sollen die Menschen aber auch in der Lage sein, dass sie ihr Leben außerhalb des Berufs selbst regeln können. Wer nämlich weder lesen kann was er da für einen Vertrag unterschreibt, noch vernünftig zusammenrechnet ob das bisschen Geld, das er besitzt, auch für alle Bedürfnisse des Lebens reicht, der steuert nicht nur geradewegs in den privaten Ruin, sondern hinterlässt mit den Schulden auch einen Schaden bei anderen. Wenn der Staat für Bildung sorgt, sorgt er also vor allem auch erstmal dafür, dass seine Wirtschaft am funktionieren gehalten wird. Wir sollen also nützliche Arbeitskräfte sein, die sich für den Profit des Arbeitgebers auspressen lassen. Nicht zuletzt soll schließlich noch durch Zensuren sortiert werden, wer die besserbezahlten Berufe abkriegt und wer sich besser auf ein Leben in permanenter Abhängigkeit zur Lohnarbeit einzustellen hat.

Hinter der Bereitstellung von Bildung steht nun allerdings noch ein wenig mehr als die Zurichtung für die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Leute, denn dann würden die sich das sicher nicht allzu lange gefallen lassen. Eine wesentliche Funktion nimmt die Schule und die Universität auch dann ein, wenn es gilt die Grundregeln der Gesellschaft von Staat und Kapital zu vermitteln. Hier nämlich lernen wir, dass wir unser Leben den gesellschaftlichen Autoritäten unter zu ordnen haben. Wenn der Lehrer es sagt, dann müssen wir fleißig und diszipliniert für den nächsten Test lernen und immer unsere Hausaufgaben machen, sonst gibt es schlechte Zensuren, die sich erst bei der nächsten Leistungskontrolle wieder ausgleichen lassen. Bei Klausuren und Abschlussarbeiten kommt es dann bei nicht ausreichender Leistung sogar ganz dicke und die Zensuren bereiten uns geradewegs ein Leben, dass nur noch mit einer Menge Alkohol und einer gehörigen Portion Zynismus rosig aussieht. Mit der Verpflichtung schließlich, dass wir immer pünktlich zum Unterricht erscheinen müssen und bei Fehlens wegen Krankheit oder anderen Dingen immer eine Entschuldung vorzulegen haben, zeigt das Bildungsunwesen seine tatsächliche Gestalt. Was wir mit der Zeit machen, die wir 24 Stunden und 7 Tage in der Woche haben, obliegt nämlich nicht unserer Entscheidung, sondern in der Schule oder Universität der Aufsicht durch Lehrer und Professoren und später der des Arbeitgebers. Das Recht auf Bildung ist also doch viel weniger ein Gefallen, der uns von staatlicher Seite entgegengebracht wird, als viel mehr die Pflicht, dass wir uns fürs spätere Leben verbrauchbar machen und den Dauerzustand der angeblich von der Natur gegebenen Konkurrenz akzeptieren sollen. Und weil manch einer auch dahinter kommt, dass es sich hier um eine ziemliche Ungeheuerlichkeit handelt, wird auch gleich noch das politische EinMalEins mitgeliefert. Dem Staat ist nämlich sehr wohl bewusst, dass solche Zustände auch schnell mal dazuführen können, dass die Leute anfangen sich entweder über die Verhältnisse in denen sie leben zu beschweren oder eben diese soweit treiben, dass sie sich wegen Leistungsdruck und Geltungssucht gegenseitig an die Gurgel gehen. Aus diesem Grund lässt der Staat die minder- und volljährigen Bürger allesamt Fächer wie Politikwissenschaft, Geschichte, Ethik und Sozialkunde durchlaufen um den von Früh an zu vermitteln, dass Probleme, die sich hier ergeben im Rahmen und mit den geltenden Gesetzen zu regeln sind und andernfalls geahndet werden.

Zum Abschluss steht also fest, dass wir in der kapitalistischen Gesellschaft sehr wohl für unser Leben lernen, aber auch nur um dem Prinzip der Konkurrenz und den Interessen von Wirtschaft und Staat zu folgen. Ein schönes Leben ist das nicht!

Von: Bethina Meruk