Politik? Geh mal wech!
Politik ist bei Jugendlichen unpopulär. Warum eigentlich?

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 2.

In der Schule sind ziemlich viele verschiedene Menschen zusammen gesperrt. Klar das dort auch geredet wird, ein Teil nennt sich Unterricht aber der größere und meist interessantere Teil der Gespräche dreht sich um Fußball, Shopping, die Action vom letzten oder die Party-Tour vom nächsten Wochenende. Doch es gibt ein Killer-Thema, das selbst der entspanntesten Atmosphäre eines jähes Ende setzt: Politik.

Wer auf dem Schulhof das Thema, stößt zumeist auf taube Ohren oder muss sich Kommentare wie „Hör ma uff mit Politik“, „Geh wech“ oder „Politik sind doch eh allet Spinna“ gefallen lassen. Aber woran liegt das?
Auf jeden Fall liegt das zum einen daran, dass Schüler gar keinen Bock auf Politik haben, weil sich ja eh kaum was ändert und zum anderen daran, dass Politik fast immer von alten Männern und Frauen gemacht wird, deren Auftreten höchstens so aufregend ist wie das 5-stündige Anglotzen eines Schweizer Käses durch ein Fernglas. Kein Wunder, dass viele Jugendliche nur einmal in 4Jahren mit Politik in Berührung kommen, nämlich dann, wenn in der ganzen Stadt plötzlich wieder hunderte Wahlplakate stehen, die sich super als Graffitiwände nutzen lassen.

Nur schade, dass alle Dosen der Welt nicht reichen, um die Realität, die uns schon am nächsten Kiosk einholt, erträglich zu machen. „Deutsche Schüler immer noch zu dumm!“ titelt die eine und „Unsere Jugend säuft zu viel!“ eine andere Zeitung. Alle heulen rum, weil früher alles besser war, fordern von uns mehr Leistung und weniger Chilln, mehr Disziplin und weniger Drogen, mehr Ordnung und weniger Raubkopien. Dass wir ganz andere Interessen und Bedürfnisse haben als Büffeln und Gehorchen, ist für die meisten Politiker entweder unvorstellbar oder geht ihnen total am Arsch vorbei. Aber ist ja auch nicht so wichtig, was wir wollen, einfach schnell ein neues Gesetz gemacht und alle müssen sich dran halten.

Dass Kiffen immer noch illegal ist: Schuld der Politik! Dass das bemalen von langweiligen grauen Wänden eine Sachbeschädigung sein soll: Schuld der Politik! Dass du fürs „raubkopieren“ in den Knast wandern kannst: Schuld der Politik! Und selbst dass Schule meist stinklangweilig ist: Schuld der Politik!
Wie du siehst, ist das ganze Leben durch Politik bestimmt, alles. Denn wie mensch auch bei Wikipedia nachlesen kann, bezeichnet der Politik „hauptsächlich [...] die Gestaltung der Ordnung in der Welt“. Und auch wenn das jetzt erstmal wahnsinnig groß und abstrakt klingt, so ist es doch ganz einfach zu erklären.

Stellen wir uns einfach mal vor, Politik wäre ein einfaches Jump-and-Run Spiel mit 10 Leveln. Die meisten von uns sind eher Noobs und befinden sich in den ersten Leveln und die Pros, also die Merkels und Obamas dieser Welt, haben sich schon in die Level 9 und 10 durchgezockt.

Jetzt gibt es aber einen Punkt, an dem sich die Realität vom Jump-and-Run unterscheidet: Im Game zockt einer, im Reallife alle gleichzeitig. Und so sind im Reallife auch viele Dinge mit einander verknüpft. Wenn ein Spieler gewinnt, verliert ein anderer. Wenn sich jetzt Gruppen, z.B. Unternehmen oder Parteien bilden, die ihre Aktionen abquatschen, so haben die einzelnen Gruppenmitglieder bessere Chancen zu gewinnen, das Risiko für den Einzelnen, also dich und mich, sinkt und vielleicht können wir zusammen ein neues Level erreichen. Um also etwas zu verändern, ist es notwendig sich zu organisieren. Um zum Beispiel das Schulsystem zu verbessern, müssen sich Schüler, Lehrer und Eltern zusammenschließen und ihrem Ärger gemeinsam Luft machen. Also bildet euch, bildet andere, bildet Banden. Sprüht (mit Sprühkreide) den Schulstreiktermin an eure Schule, malt Transparente, macht Straßentheater oder sonst was, seid kreativ, laut und viele.

Von: Marietta Smoska

Der Streik an den Hochschulen
Studiengebühren, Bologna-Prozess. Der Protest an Unis hat Geschichte

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 4.

Die Vorlesungen und Übungen dauerten von 8 bis 18 Uhr, das Protokoll musste am nächsten Morgen abgeben werden. Der 25-jährigen Biochemie-Student Paul Dembny blieb gleich an der Freien Universität Berlin, übernachtete im Fachschaftsraum, damit er das Protokoll bis acht Uhr morgens fertigbekommen konnte.

Die Nacht durchstudieren, um das enorme Arbeitspensum unter konstantem Zeitdruck zu bewältigen, ist inzwischen Normalität in Bachelor-Deutschland. Denn seit 1999 wurde das Hochschulwesen in ganz Europa im sogenannten „Bologna-Prozess“ massiv umgekrempelt. Das Ergebnis: In den neuen Bachelor-Studiengängen ist das Studium stark verschult. Statt Zeit für eigene Forschung und sind die Semester mit Auswendiglernen überfüllt. Eine Prüfung jagt die andere. Wahlfreiheiten sind weitgehend abgeschafft. Die Folge sind hohe Abbrecherquoten.

Hinzu kommt, dass völlig unterfinanzierte Fachbereiche mit systematischer Überforderung durch ständigen Arbeits- und Prüfungsdruck möglichst viele Studierende nach einem oder zwei Semestern zum Abbrechen zwingen wollen. Nur so meinen die Institutsdirektoren den Lehrbetrieb in den überfüllten Hörsälen aufrecht erhalten zu können, während immer mehr Lehrstellen zusammengestrichen werden.

Hinter den zunehmend unzumutbaren Studienbedingungen steht die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen. In den letzten Jahrzehnten ist die Hochschulbildung regelrecht finanziell ausgetrocknet worden. Gleichzeitig haben sich die Studierendenzahlen seit 1975 bis heute mehr als verdoppelt. Um in etwa die Werte – pro Studierendem – von 1975 zu erreichen, müssten die Hochschulausgaben um 201 Prozent also 36,3 Mrd. Euro steigen.
Das Ergebnis der chronischen Unterfinanzierung sind straffere Prüfungsordnungen, während sich gleichzeitig die Betreuungsverhältnisse von Studierenden zu Lehrenden verschlechtern. Zwanzig Minuten vor der Vorlesung zu versuchen, noch einen freien Platz in dem bereits völlig überfüllten Hörsaal zu bekommen, ist für viele Studierende zur alltäglichen Erfahrung geworden. Andere werden gleich von den Professoren aus den überfüllten Seminaren geworfen – die Absolvierung des Pflichtstudiums in der vorgegebenen Zeit wird so für viele zur beinah unerfüllbaren Aufgabe.

Die Überfüllung der deutschen Hochschulen ist dabei nur die logische Folge einer Politik, die sich schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr daran orientiert, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu bilden. Denn Interessenten gibt es durchaus - nur keine Plätze. So bewarben sich an der FU Berlin letztens 32.000 Abiturienten um nur 3.400 Studienplätze.
Der dadurch erst so richtig entfachte Wettbewerb um den Studienplatz verschärft die soziale Selektion im Bildungssystem. So kommen 60% der Studierenden aus Akademikerfamilien - dabei machen diese an der gesamten Bevölkerung nur einen kleinen Teil aus.

Entsprechend wächst der Unmut an den Hochschulen – gleichzeitig blieb es bislang bei vereinzelten Protesten. Im Juni könnte sich das ändern. Inspiriert von den Streiks der Schülerinnen und Schüler, hat sich nun auch an den Hochschulen ein breites Bündnis gebildet. Mit dem Bildungsstreik könnte es nun auch an den Hochschulen gelingen, bundesweit schlagkräftigen Protest aufzubauen – ausgerechnet in einer Zeit in der sich durch die Krise die Auseinandersetzung um die Bildungsfinanzierung durch zuspitzen dürfte. Wurde bislang mit Verweis auf fehlende finanzielle Mittel jede Verschlechterung gerechtfertigt, ist nun die Rechtfertigungslogik für Kürzungen wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Die Milliardenspritzen für die Banken macht deutlich, dass es durchaus möglich ist umfassend Mittel zu investieren – wenn es politisch gewollt ist.

Gleichzeitig drohen nach den Bundestagswahlen neue Kürzungen. Am 30. April hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bereits alle neu beschlossenen Bildungsinvestitionen angesichts der Krise unter „Haushaltsvorbehalt“ gestellt. Damit wird immer klarer wohin nach dem Willen der Politik die Reise gehen soll: Die Milliardenspritzen für die Banken sollen bei Kürzung der Ausgaben für Bildung und Soziales wieder reingeholt werden. Ob ihnen das gelingt, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob wir ausreichend Gegendruck auf die Regierung aufzubauen können.

Die Bedingungen dafür sind nicht schlecht. Denn in der Krise stehen die Regierungen unter Druck, reagieren sensibel auf Proteste. In Frankreich sah sich die Sarkozy-Regierung im Dezember durch massive Schülerproteste gezwungen, eine Oberstufenreform zurückzunehmen. Bildungsministers Xavier Darcos begründete das mit den „sozialen Spannungen, die offensichtlich ihre Ursachen außerhalb des Schulbereichs haben“: „Wir haben heute ein Klima, das keine ernsthafte Diskussion zulässt.“ Die Befürchtung der französischen Regierung: Die Proteste der Schülerinnen und Schüler könnten breiter in die Gesellschaft ausgreifen.

Dass Widerstand erfolgreich sein kann, zeigen auch die Studentenproteste in Hessen. Dort konnte die Studierendenbewegung gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern und anderen sozialen Bewegungen einen so starken Druck aufbauen, dass Studiengebühren ein Jahr nach Einführung wieder abgeschafft wurden. Der Druck der Studierenden führte dazu, dass selbst SPD und Grüne, die in anderen Ländern Studiengebühren oder Studienkonten mittragen, die Landtagswahlen zu einer Abstimmung über Studiengebühren gemacht haben. Selbst der mittlerweile wiedergewählte CDU-Ministerpräsident Roland Koch hat angekündigt, Studiengebühren nicht noch einmal einführen zu wollen.

Weitere Infos: www.bildungsstreik2009.de

Von: Jonas Rest

Action, Action, Action!
Mit kreativen Aktionen vor Ort die Bildungsstreikwoche zum Erfolg machen - einige Ideen… Continue reading ”

Dich kennen wir schon: Repression

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 7.

In den letzten Jahren hat sich leider immer wieder gezeigt, dass streikende Schüler bei Schulleitern oft nicht nur auf Unverständnis gestoßen sind, sondern auch immer wieder mit Repression konfrontiert wurden. Die Palette von Maßnahmen, die sich Schulleiter ausgedacht haben, um uns unter Kontrolle zu behalten, reicht von unentschuldigten Fehltagen und 6en bis zum Einschließen in Schulen und Tadeln. Solche Versuche, Protest zu unterbinden sind nicht nur unverschämt, sondern teilweise auch illegal. „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln“ (Grundgesetz, Artikel 8)

Hier sind einige Tipps, wie Ihr den häufigsten Maßnahmen entgehen könnt:
Fehltage: Gegen Fehltage lässt sich leider nicht viel machen. Wenn ihr allerdings von euren Eltern ein Entschuldigungsschreiben bekommt oder ein Attest vom Arzt habt, also gar nicht gestreikt habt, sondern „krank“ ward, dann sieht der Streiktag auf dem Zeugnis aus wie ein Krankheitstag.

Schlechte Noten: Schlechte Noten dürfen euch Lehrer nur geben, wenn an diesem Tag eine Klassenarbeit oder ein Test geschrieben wurde. Ist das nicht der Fall, muss die Stunde genauso bewertet werden, wie wenn ihr krank gewesen wärt - also gar nicht!

Schulverweise: Schulverweise sind ein sehr drastisches Mittel, sie werden deshalb auch nur sehr selten ausgesprochen. Damit ihr einen Verweis bekommt, muss jedoch die Schulkonferenz zustimmen, in der je 2 Lehrer, Eltern und Schüler sitzen. Es ist also leicht machbar, dort eine Mehrheit gegen den Verweis zu bekommen.

Aber auch die Schüler, die ohne Ärger durch die Schule gekommen sind, oder sich nicht haben einschüchtern lassen, können durchaus noch welchen bekommen. In den letzten Jahren hat die Berliner Polizei gezeigt, das sie auch nicht davor zurückschreckt, friedlichen Schülern z.B. die Nasen zu brechen (22. Mai 2008). Immer wieder kam es zu Übergriffen der Polizei und auch vereinzelt zu festnahmen. Deshalb hier noch ein paar Tipps wie Ihr euch auf der Demo verhalten solltet:

1. Geht wenn möglichst mit Freunden zur Demo, passt auf einander auf und weist einander auf Gefahren hin.

2. Trinkt keinen Alkohol und nehmt keine Drogen! Falls es wieder einmal zu einer kritischen Situation kommen sollte, braucht ihr einen ungetrübten Verstand und müsst schnell reagieren können.

3. Verhaltet euch in allen Situationen ruhig und besonnen. Rennt auf keinen Fall panisch los! Polizisten haben einen Tunnelblick für alles was rennt.

4. Wenn ihr festgenommen werdet, ruft umstehenden Leuten euren Namen und euer Geburtsdatum zu! Redet nicht mit den Cops, nicht einmal über das Wetter! Ihr müsst ihnen nur das sagen was auf eurem Personalausweis steht. In einer solchen Situation versucht die Polizei gerne mit nettem Zureden die Angst der Verhafteten auszunutzen und ihnen Geständnisse unterzujubeln. Unterschreibt nichts! Auch wenn Cops gern etwas anderes behaupten, seid ihr nie dazu verpflichtet! Euch dürfen auch nie Nachteile darauf erwachsen, dass ihr erst mal gar nichts gesagt habt - auch zu den abstrusesten Vorwürfen könnt ihr euch immer noch später äußern!

5. Wenn ihr festgenommen wurdet oder Festnahmen beobachtet, ruft den Ermittlungsausschuss (EA) an, der kümmert sich um euch. Sagt nichts über den Tatvorwurf oder gar, war ihr „wirklich“ getan habt, der EA wird abgehört! Wenn ihr wieder rauskommt, meldet euch beim EA ab, weil sonst nach euch gesucht wird. Telefon: 030-6922222

6. Wenn ihr wieder zu Hause seid, schreibt ein privates Gedächtnisprotokoll über die Ereignisse, damit ihr euch auch nach Monaten erinnern könnt, falls ihr Ärger mit der Polizei bekommt.

Von: Anna & Arthur

Hausaufgaben? Hab ich vergessen

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 6.

Wie oft saß mensch schon stundenlang, bei dem schönsten sonnigsten Wetter, in einem viel zu warmen und stickigem Klassenraum und die Zeit wollte einfach nicht schneller vergehen? Was nach einem schlechten Horrorfilm klingt, ist für Schülerinnen und Schüler jedoch bitterer Alltag. Wenn dann der oft langweilige Unterricht um ist, gehts ab in den Park oder an den nächsten See und der Alltag rückt in weite Ferne. Doch anstatt zu chilln vermießt uns ein schneller Blick ins Hausaufgabenheft den Tag und unsere schlimmsten Befürchtungen erfüllen sich. Sehr viel Text füllt die Seiten. Scheiße! Unsinnige und noch dazu unfreiwillige Aufgaben sind zu erledigen. Es müssen Vorträge vorbereitet, Matheaufgaben gelöst, unzählige französische und englische Vokabeln auswendig gelernt und natürlich das Buch von Thomas Mann gelesen werden. Das erzeugt unnötigen Stress und Furcht vor dem nächsten Schultag, wenn man mal wieder nicht alles oder nicht ganz zur Zufriedenheit des Lehrers erledigt hat.

Am Ende wurde das Meiste eher halbherzig erledigt, einfach von einer Freundin oder aus dem Internet abgeschrieben. Für Tests und Klausuren wird eh nur das Kurzzeitgedächnis trainiert. Der Lerneffekt liegt bei sage und schreibe Null. Klar, das wussten wir schon immer. Jetzt aber bestätigt eine Studie der Technischen Universität Dresden unsere Annahme. Hausaufgaben zu machen hat keinen Lerneffekt und damit auch keinen nachweisbaren Einfluss auf die sonstigen Schulnoten. Viel mehr ist es eine rein pädagogische Maßnahme. Professor Hans Gängler (TU Dresden) sagt, dass gute Schüler durch Hausaufgaben nicht unbedingt besser würden, und das schlechte Schüler durch bloßes wiederholen von Unterrichtsstoff zu Hause, den sie schon vormittags nicht verstanden haben, selbigen noch lange nicht begreifen würden.

Jedes Jahr werden 5 Milliarden Euro für das ausgegeben, was uns eigentlich in der Schule hätte beigebracht werden sollen: für Nachhilfe. Das benachteiligt nicht nur Schüler mit Eltern, die nicht so viel Kohle verdienen, da diese sich den teuren Nachhilfeunterricht nicht leisten können, sondern zeigt auch, dass die Schulen schon lange nicht mehr versuchen, individuell auf Schüler und ihre Probleme einzugehen.

Das wirft kein gutes Bild auf die Hausaufgaben und angesichts dieser Erkenntnisse erlangt der in der Schule so oft gebrauchte Satz: „Ihr lernt fürs Leben“ eine ganz andere Bedeutung. Wir lernen nämlich nicht was wir wollen, sondern nur dass wir die Aufgaben zu erfüllen haben, die uns gestellt werden. Erinnert an einen Roboter, ist aber bittere Realität. Nach der Schule sollten wir perfekt auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sein, die Chefs wirds freuen. Ist ja klar das wir da keinen Bock haben und die Hausaufgaben lieber „vergessen“.

Von: Martin Schöller

Fürs Leben lernen wir
Die Schule, der Staat, die Wirtschaft und der zweifelhafte Sinn des Ganzen

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 6.

Du lernst doch nicht für die Lehrer oder deine Eltern, sondern für dein Leben!“ Diesen Satz haben viele bestimmt schon einmal gehört, wenn die Zensuren und die Motivation zum Lernen nicht so in Ordnung waren, wie es andere von einem erwartet haben. Aber was ist eigentlich dran, an diesem Versprechen?

Für die Bildung der Menschen richtet der Staat Schulen und Universitäten ein, in denen Lehrer und Professoren zumeist jungen Leuten die Inhalte verschiedenster Fächer beibringen sollen. Ab und an entschließen sich dann auch die Wirtschaft oder gar die katholische und evangelische Kirche dazu für die Bildung der Menschen zu sorgen und richten Bildungsstätten ein, die nocheinmal in einzelnen Themengebieten etwas spezielleres Wissen vermitteln, insgesamt aber doch der Kontrolle durch den Staat unterliegen. Man sollte sich also an dieser Stelle fragen, was der Staat – und auch die Wirtschaft – sich von einem Milliarden Euro teuren Bildungssystem versprechen.

Ein wesentlicher Grund, weshalb die Bildung vom Staat in die Hand genommen wird und nicht uns selbst oder den Eltern überlassen bleibt, ist der, dass wir im Erwachsenenleben später arbeiten gehen und unseren Alltag ohne Hilfe bewältigen können sollen und müssen. Das theoretische Handwerkszeug dafür bringt uns die Bildung. Damit soll einerseits sicher gestellt werden, dass es immer genug Leute gibt, die ordentlich ausgebildet sind um die Aufgaben in den Firmen und Betrieben erfüllen zu können oder zumindest soviel Grundwissen haben, dass sie dann mit einer Weiterbildung fit für den Job sind. Andererseits sollen die Menschen aber auch in der Lage sein, dass sie ihr Leben außerhalb des Berufs selbst regeln können. Wer nämlich weder lesen kann was er da für einen Vertrag unterschreibt, noch vernünftig zusammenrechnet ob das bisschen Geld, das er besitzt, auch für alle Bedürfnisse des Lebens reicht, der steuert nicht nur geradewegs in den privaten Ruin, sondern hinterlässt mit den Schulden auch einen Schaden bei anderen. Wenn der Staat für Bildung sorgt, sorgt er also vor allem auch erstmal dafür, dass seine Wirtschaft am funktionieren gehalten wird. Wir sollen also nützliche Arbeitskräfte sein, die sich für den Profit des Arbeitgebers auspressen lassen. Nicht zuletzt soll schließlich noch durch Zensuren sortiert werden, wer die besserbezahlten Berufe abkriegt und wer sich besser auf ein Leben in permanenter Abhängigkeit zur Lohnarbeit einzustellen hat.

Hinter der Bereitstellung von Bildung steht nun allerdings noch ein wenig mehr als die Zurichtung für die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Leute, denn dann würden die sich das sicher nicht allzu lange gefallen lassen. Eine wesentliche Funktion nimmt die Schule und die Universität auch dann ein, wenn es gilt die Grundregeln der Gesellschaft von Staat und Kapital zu vermitteln. Hier nämlich lernen wir, dass wir unser Leben den gesellschaftlichen Autoritäten unter zu ordnen haben. Wenn der Lehrer es sagt, dann müssen wir fleißig und diszipliniert für den nächsten Test lernen und immer unsere Hausaufgaben machen, sonst gibt es schlechte Zensuren, die sich erst bei der nächsten Leistungskontrolle wieder ausgleichen lassen. Bei Klausuren und Abschlussarbeiten kommt es dann bei nicht ausreichender Leistung sogar ganz dicke und die Zensuren bereiten uns geradewegs ein Leben, dass nur noch mit einer Menge Alkohol und einer gehörigen Portion Zynismus rosig aussieht. Mit der Verpflichtung schließlich, dass wir immer pünktlich zum Unterricht erscheinen müssen und bei Fehlens wegen Krankheit oder anderen Dingen immer eine Entschuldung vorzulegen haben, zeigt das Bildungsunwesen seine tatsächliche Gestalt. Was wir mit der Zeit machen, die wir 24 Stunden und 7 Tage in der Woche haben, obliegt nämlich nicht unserer Entscheidung, sondern in der Schule oder Universität der Aufsicht durch Lehrer und Professoren und später der des Arbeitgebers. Das Recht auf Bildung ist also doch viel weniger ein Gefallen, der uns von staatlicher Seite entgegengebracht wird, als viel mehr die Pflicht, dass wir uns fürs spätere Leben verbrauchbar machen und den Dauerzustand der angeblich von der Natur gegebenen Konkurrenz akzeptieren sollen. Und weil manch einer auch dahinter kommt, dass es sich hier um eine ziemliche Ungeheuerlichkeit handelt, wird auch gleich noch das politische EinMalEins mitgeliefert. Dem Staat ist nämlich sehr wohl bewusst, dass solche Zustände auch schnell mal dazuführen können, dass die Leute anfangen sich entweder über die Verhältnisse in denen sie leben zu beschweren oder eben diese soweit treiben, dass sie sich wegen Leistungsdruck und Geltungssucht gegenseitig an die Gurgel gehen. Aus diesem Grund lässt der Staat die minder- und volljährigen Bürger allesamt Fächer wie Politikwissenschaft, Geschichte, Ethik und Sozialkunde durchlaufen um den von Früh an zu vermitteln, dass Probleme, die sich hier ergeben im Rahmen und mit den geltenden Gesetzen zu regeln sind und andernfalls geahndet werden.

Zum Abschluss steht also fest, dass wir in der kapitalistischen Gesellschaft sehr wohl für unser Leben lernen, aber auch nur um dem Prinzip der Konkurrenz und den Interessen von Wirtschaft und Staat zu folgen. Ein schönes Leben ist das nicht!

Von: Bethina Meruk

Zum Amoklauf von Winnenden
Die Schule ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 5.

Als anlässlich des Amoklaufs von Winnenden von Lehrerverbänden eine „Gefahrenzulage für Lehrkräfte“ gefordert wurde, hat das in gewisser Hinsicht den Nagel auf den Kopfgetroffen. Offensichtlich gibt es auch hierzulande immer wieder Schüler, die die Schule als eine Art „Schlachtfeld“ erleben , an dem Lehrkräfte sie so drangsalieren, dass sie glatt an Gegenwehr oder Rache denken. Man muss auch gar nicht viel geistigen Aufwand betreiben, um an der Schule Seiten festzuhalten, die Schüler derart „frustrieren“, dass sie immer mal wieder „ungerechten“, autoritären Lehrern, aber auch rücksichtslosen Mitschülern mindestens im Geiste Rache androhen.

Nehmen wir den ganz normalen Unterricht, in dem das Lernen als permanente Bewährungsprobe für die Schüler inszeniert ist, auf die sie sich mit allerlei „Tricks“ einstellenJeder Schüler weiß, dass er sich möglichst nicht bei Lerndefiziten oder nicht verstandenen Themen ertappen lassen darf, obwohl diese Probleme nichts als das Produkt des Unterrichts sind. Folglich muss er seine Wissenslücken und Unkenntnis vertuschen und ganz bei sich behalten. Er weiß, dass ihre Offenlegung nicht dazu führt, dass der Lehrer die offenen Fragen ruhig und verständlich erklärt, sondern dass die Unwissenheit Bestrafung durch schlechte Noten nach sich ziehen kann. Und da das Lernen in der Schule als Konkurrenz um gute Noten, um gute Zeugnisse organisiert ist, bekommt auch die „Klassenkameradschaft“ nicht selten merkwürdige Züge. Permanent wird das Abschneiden von Mitschülern misstrauisch begutachtet und beobachtet ob auch mit “gerecht“ benotet und mit einem Maßstab gemessen worden ist. Die gute Note, die man selbst verfehlt hat, gönnt man schon mal den anderen nicht; besonders, wenn man meint, dass sie ungerechtfertigter Weise erworben worden ist und der Lehrer gemäß seiner Vorurteile oder Vorlieben den Rotstift angesetzt hat. Der Übergang zur Missgunst darf nicht fehlen. Da sperren sich Schüler gegen das Abschreiben, weil die gute Note des Mitschülers die eigene relativiert oder werden gute Schüler als „Streber“ verunglimpft. Warum das so ist und in der Lernkonkurrenz so sein muss, liegt auch auf der Hand: An der Schulleistungskonkurrenz hängt eben einiges. Sie soll – wie jede andere Konkurrenz auch – immer viele Verlierer und weniger Sieger hervorbringen, folglich jene größere Gruppe von Schülern ermitteln, denen der Weg auf das Gymnasium versperrt oder erschwert wird.

Was hat das alles mit den Amokläufen der letzten Jahre zu tun? Einiges: Zunächst einmal bestärkt das die These, dass es wohl kein Zufall sein wird, wenn alle Amok­läufer hierzulande eine bzw. ihre Schule aufsuchen und dort ein Blutbad an Schülern und Lehrern anrichten. We­der haben diese Jugendlichen in der Fußgängerzone, noch bei einer Sportveranstaltung oder im Kaufhaus um sich geballert. Sie haben ganz bewusst diesen Tatort gewählt und die dort arbeitenden Schüler und Lehrer, oftmals ohne sie zu kennen, als Repräsentanten einer Institution umge­bracht, in der sie viele Jahre ihres jungen Lebens verbracht haben und die folglich mehr oder weniger zu ihrer Welt geworden ist. In der werden sie wohl einige, sie schwer verletzende Angriffe auf ihre Persönlichkeit erfahren haben. Das muss man ernst nehmen und sollte es nicht als rein subjektive Deu­tung eines kranken Verstandes abbuchen, die mit der Wirklichkeit der Schule nichts zu tun hat – wie dies vielfach geschieht. Was ist denn die wirkliche Schule? Sie ist zum einen der Ort der Lernkonkurrenz, in dem Lehrer über zukünf­tige Lebenschancen junger Menschen befinden; und auf die satteln heute Schüler zum anderen ganz selbsttätig eine Konkurrenz um Anerkennung drauf, in der sich manche Schüler mehr anstrengen als in der Lernkonkurrenz – nicht selten, weil sie mit der ohnehin schon als aussichtslos abgehakt haben. In der Anerkennungskonkurrenz führen sie sich so auf, wie es ihnen in der Schulleistungskonkurrenz verwehrt ist, nämlich als die Herren der Konkurrenz. Alle rohen Formen der Angeberei und des Mobbing – geschlechtsspezifisch sortiert – stehen dabei hoch im Kurs. Da wird geklaut und er­presst, geschlagen und ausgegrenzt, werden Schulen demoliert und Mutproben der brutalsten Art abverlangt.

Zum Tragen kommt dabei, was Kids in der Schule, in der Familie oder bei „Deutschland sucht den Superstar“ gelernt haben, nämlich dass der Mensch ohne Selbstbewusstsein nichts ist, dass man mit einer Portion Selbstbewusstsein die Zumutungen von Schule, Familie und Straße besser aushält; übrigens ist das Selbstbewusstsein nur deswegen zum Erziehungsziel erklärt worden. Kein Wunder, dass viele Schüler nur noch „total cool“ herumlaufen und sich aufführen, als seinen sie höchst persönlich ein „Superstar“, wenn nicht der „Deutschlands“, dann doch wenigstens der Superstar der Schule oder der Klasse. Der Anerkennungswahn, der sich hier aus­tobt, ist ein Produkt von falsch verarbeiteten Konkurrenzerfahrungen, das inzwischen auch das Privatle­ben kleiner und großer Leuten jeden Geschlechts massiv besetzt hatSo ist eine vernünftige Bilanzierung ihrer tatsächlichen Lebensumstände als Schüler oder Lehrling nur allzu oft überlagert von der Frage, wie viel Beifall man für neue Klamot­ten, geschwollenen Bizeps, Sexual- und Saufleistungen, nebst Frech- und Rohheiten aller Art von eben solchen Mitmenschen erhält, die denselben anerzogenen und inzwischen durchgesetzten geistigen Wahnvorstellungen anhängen. Wenn zudem heute Schüler mit 9 oder 10 Jahren ihre Schulhefte auf Lehrergeheiß mit dem Spruch „Ich bin wertvoll!“ zieren, dann darf man sich endgültig nicht wundern, dass dabei der eine oder andere Robert S. oder Tim K. herauskommt. Denn wo in Schule, Familie und Umfeld vermehrt Erfahrungen gemacht werden, die diesen Spruch gerade nicht mit Material unterfüttern, wenn Niederlagen dieser oder jener Art sich vielmehr zu erheblichem Frust verdichten, wenn das eingebildete Recht auf Anerkennung nicht bedient wird, dann taugt so ein Spruch eben nicht nur für die erwünschten Anpassungsleistungen, sondern lässt sich ebenso in die selbstzerstörerische Frage: „Bin ich wirklich wertvoll?“, wie auch in den fremdzerstörerischen Beschluss: „Denen werde ich es zeigen, dass ich wertvoll bin!“, umsetzen. Es schließt eben die radikalisierte Sorge um jenes Selbstbewusstsein, das sich nur in Idealbildern von sich selbst herumtreibt, in seinen beiden brutalsten Verlaufsformen ein: die Tötung und die Selbsttötung.

Die Amokläufer sind also keine defekten Monster, die ihre Mordgelüste eine Zeit lang hinter der Fassade des „unauffälligen, ruhigen Jungen“ verstecken. Es handelt sich vielmehr um aus dem Ruder gelaufene brave Lehrlinge eines öffentlichen Lehrplans, mit dem sie in Schule und Gesellschaft von Kindesbeinen an traktiert werden.

Von: Prof. Dr. Freerk Huisken

Pankower Jugendclubs vor dem Aus?
Der Kampf um den Erhalt von Sozialeinrichtungen geht weiter.

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 3.

Der Großbezirk Pankow ist mit 32 Millionen Euro verschuldet, da der Bezirk in der Vergangenheit Sozialleistungen für Bedürftige nicht wie erwartet vom Senat zurückerstattet bekam. Bis 2011 sollen die Schulden getilgt werden. Für das Jahr 2009 verhängte der Senat eine Haushaltssperre für Pankow und forderte eine höhere Effizienz der, eh schon massiven, Einsparungsmaßnahmen. Insgesamt sind im Kinder- und Jugendbereich 47 Einrichtungen betroffen, die täglich von 3000 Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Hinzu kommt eine Vielzahl an Angeboten aus dem Sozial- und Bildungsbereich, die der Sparpolitik zum Opfer fallen würden:

Frauenhäuser, Notunterkünfte für Obdachlose, Migrant_innen-Beratungen, Bibliotheken und Schülerclubs. Dank des Widerstandes vieler Menschen, konnte die Schließung der Kinder- und Jugendeinrichtungen gesichert werden, allerdings nur für ein halbes Jahr. Im Mai erfährt die Hinhaltetaktik von Senat und Bezirk eine Neuauflage. Bis Ende 2009 werden wir weitere sechs Monate abgespeist und schon jetzt ist klar, dass uns 2010 massive Streichungen erwarten. Im Zuge der Gentrifizierung, werden die sozialen Einschnitte im Bezirk durch eine immer rasantere Mietpreisentwicklung begleitet (Bsp.: Palais Kolle Belle, Kollwitzplatz, 4 Zimmer 309 000 Euro).
Die Kürzungswelle betrifft fast alle Angebote und würde den gesamten Bezirk in eine soziokulturelle Brache verwandeln, was einen massiven Verlust an Lebensqualität für viele Menschen im Kiez nach sich zieht. Wir haben jedoch das Recht auf ein gutes Leben: uneingeschränkter Zugang zu Bildung, Kultur, Wohnraum usw. Allerdings wollen wir mit unserer Kritik nicht bei hohen Mieten und Jugendclubrationalisierung stehen zu bleiben.

Gerade weil im Kapitalismus alles von Rentabilität abhängt, wird es auch immer Ungleichheit geben. Deswegen finden wir es wichtig in die Proteste gegen die Sparmaßnahmen unsere Kritik am Kapitalismus mit einzubringen. Für den Staat lohnt sich die Finanzierung sozialer Angebote nur in soweit, als dass sie (unter anderem) die steigende Frustration in der Bevölkerung abfedert und staatliche Fürsorge suggeriert. Außerdem dienen sie der Vorbereitung auf den Arbeitsprozess und der Regeneration von Arbeitskraft. Mit den Sparmaßnahmen einher geht eine immer stärkere Investition ins Knast- und Überwachungssystem. 2,6 Millionen für einen Hochsicherheitszaun am Jugendknast Plötzensee, so wie zusätzliche 5 Millionen Polizeietat hat das Land Berlin investiert. Der Staat begegnet somit den, von ihm selbst erzeugten, Folgen seiner Politik (Beschaffungskriminalität, Schwarzfahren usw.). Wenn schon von Kriminalität gesprochen wird, dann möchten wir den Kapitalismus, als eigentliches Verhältnis organisierter Kriminalität skandalisieren. Wir jedenfalls lassen uns nicht abziehen!

Um vor all dem nicht zu kapitulieren, veranstalten wir mit vielen anderen am 29. Mai auf dem Helmholzplatz ein Hip-Hop-Openair und am 19. Juni eine Kiezparade durch P-Berg um uns gemeinsam den Kürzungen und der Verdrängung Einkommensschwacher aus dem Viertel entgegenzustellen. Wir wollen die Menschen im Kiez zusammenbringen, die sich damit nicht abfinden und die sich eine lebenswerten Stadt wünschen, in der die eigene Existenz nicht vom Geldbeutel abhängt. Deswegen unterstützen wir den Kampf um die Einrichtungen und gegen die Stadtumstrukturierung vor Ort Wir wollen aber mehr! Wir denken, dass ein Leben jenseits von Konkurrenz und Verwertung - ein Leben ohne Kapitalismus - möglich ist. Und da wir ungeduldig sind und vom Staat nichts weiter zu erwarten haben, als Zurichtungen, Ausgaben für Aufrüstung, Überwachung und anderen Mist, den nur die Herrschenden brauchen, sollten wir unser Leben in die eigene Hand nehmen. Jugendclubs, Altersheime, Hausgemeinschaften usw. gehören in Selbstverwaltung ohne staatliche Bevormundung. Wenn wir aus unseren Treffpunkten geworfen werden, wenn wir aus der Wohnungen fliegen, dann machen wir die Stadt zu unserem Wohnzimmer! Entwickeln wir in Zeiten von Mietsteigerung und Leerstand alternative Raumnutzungskonzepte! Das Cinemax, ein Umsonstkino, der Polizeiabschnitt an der Eberswalderstr., ein Nachbarschaftscafé, der Flughafen Tempelhof, Mehrzweckhalle für Raves und Konzerte. Nehmen wir uns also die Stadt zurück, denn sie gehört uns allen. Kommt am 29. Mai und am 19. Juni nach P-Berg um zu zeigen, dass wir die Kürzungswelle 2010 nicht akzeptieren, sondern uns schon jetzt querstellen!

29. Mai 2009 | Hip-Hop-Openair | 16 Uhr | Helmholzplatz
19. Juni 2009 | Kiezparade | 18 Uhr | Mauerpark

Von: Ralf Mainhardt

Wir sind mehr als Zahlen!
Lernen können wir auch ohne Noten und Prüfungen!

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 2.

Eine unerwartete schlechte Note kann einem ganz schön den Tag versauen. Nach einer Klassenarbeit nach Hause zu gehen und auf seine Note zu warten, ist ähnlich dumm. Und gerade diejenigen, die gute Noten bekommen, freuen sich nicht wirklich über sie. Wieso quälen wir uns dann Tag für Tag mit Zensuren rum?

Die wenigsten Schüler und Schülerinnen können sich einen Schulalltag ohne Prüfungen und Noten vorstellen. Viele denken, sie brauchen die Zensuren als Rückmeldung über ihren Lernfortschritt - irgendwie muss man doch belohnt oder bestraft werden. Manche meinen, unter Notendruck lerne sich sowieso viel besser! Außerdem: Wie sollen denn die Arbeitgeber sonst später herausfinden, wer zu was taugt - so ganz ohne Schulnoten? Müssen wir nicht in objektive Leistungsklassen eingeteilt werden? Und war es nicht schon immer so, dass Schule und Noten untrennbar miteinander verbunden waren? Das ganze Leben ist doch ein beständiger Wettkampf um Geld, Anerkennung und Punkte! Wollen die Lehrenden und Schulpolitiker nicht unser Bestes, wenn sie uns mit Noten auf dieses harte Leben vorbereiten?

Doch so nobel die Absichten der Zensurenverfechter sein mögen, Noten sind Zwang. Sie sind Selbstbetrug und Offenbarungseid: „Das, womit wir euch quälen, ist zu uninteressant und unwichtig, als dass es euch um seiner selbst Willen interessierten könnte. Wir müssen euch mit Noten zu eurem Glück zwingen.“ Aber man kann nicht zu seinem Glück gezwungen werden. Bildung muss freiwillig angenommen werden. Unter Notendruck paukt man sich vielleicht einmal etwas für einen Test oder eine Klausur rein oder schreibt eine Hausaufgabe ab. Echtes Interesse können Zensuren nicht ersetzen. Wenn uns etwas absolut nichts gibt, helfen uns auch die Noten nicht dabei, es zu lernen. Sie treiben uns nur dazu, so zu tun, als hätten wir etwas gelernt.

Überhaupt haben Noten sehr häufig eine Komponente von „so tun, als ob“: Zum Beispiel schreiben wir Leserbriefe als Hausaufgabe so, als ob wir wirklich auf einen Artikel reagieren wollten. Wir schreiben Klausurtexte so, als ob ihn irgendjemand außer der Lehrerin lesen würde. Und wir sollen Bilder malen, als ob wir etwas bestimmtes ausdrücken wollten. Gelegentlich kommt es vor, dass wir in der Schule etwas machen müssen, was uns wirklich interessiert. Aber gerade dann würden wir uns auch ohne Noten freiwillig und gerne damit beschäftigen. Im Gegenteil kann einem Prüfungsdruck die eigentlich vorhandene Freude an einem Thema rauben. Gerade schlechte Noten wirken häufig eher demotivierend, als dass sie uns zum besseren Lernen antreiben.

Viele Schülerinnen und Schüler kommen einfach nicht mit Prüfungen klar, selbst wenn sie auf einem Gebiet sicher sind. Andere hingegen können sich kaum dazu motivieren, im Unterricht dem Lehrer in den Arsch zu kriechen, nur weil er sie mit Noten unter Druck setzen kann. Solche persönlichen Konflikte schlagen sich dann auch schnell in den Zensuren nieder: Dass Lehrende nur Menschen sind und ihre Lieblinge haben, ist nichts neues. In diesem Kontext gibt es übrigens auch viele Lehrerinnen und Lehrer, die wenig Lust haben, ihre Schüler und Schülerinnen zu bewerten. Denn sie finden, dass sie als Menschen keine anderen Menschen bewerten und auf Zahlen reduzieren sollten. Soll die Wirtschaft eben anders den Wert ihrer Arbeitskräfte ermitteln lassen!

Nur wie könnte es ohne Zensuren laufen? Zumindest die Rückmeldung zwischen Lehrenden und Lernenden kann problemlos auch ohne sie erfolgen. Und Anerkennung von Mitschülern und Lehrern ist sogar ehrlicher und wertvoller, wenn sie nicht auf Zahlen heruntergebrochen wird. Auch ohne Zeugnisse hält man danach etwas in Händen – möglicherweise sogar mehr: Arbeiten und Projekte, Erfahrungen und Wissen. Es spricht auch nichts dagegen, dass sich Menschen innerhalb einer Schule bescheinigen, wenn sie sich gemeinsam mit einem Thema beschäftigt haben. So könnte im Laufe einer Schullaufbahn dann ein Heft mit den besuchten Kursen und bearbeiteten Projekten entstehen, anstatt einer lahmen Zeugnismappe voller Zahlen.

In unserer Vision bringt Schule (genau so auch Hochschule) Menschen allen Alters zusammen: Menschen die lehren wollen, mit Menschen, die lernen wollen. Und zwar nicht, damit die einen die anderen bewerten und kategorisieren, sondern damit alle Beteiligten dabei neues Wissen gewinnen.
Wir wollen, dass Schule getrieben wird von der Begeisterung der Lehrenden und dem Interesse der Lernenden. Noten stehen dieser besseren Schule im Wege. Doch bis wir Zensuren los sind, lasst euch das Leben nicht von ihnen versauen: Sie sind nur Ziffern auf Papier. Sie haben für euer Leben nur so viel Bedeutung, wie ihr ihnen beimesst. Lernt, was ihr wirklich lernen wollt!

Von: Thomas Wilt

Schulstreik!
Am 17. Juni auf die Straße gehen!

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung “Klassen-Kampf” (Mai 2009) auf Seite 1.

Die Schule ist für die meisten Jugendlichen kein Ort, den sie gerne Besuchen. Das hat verschiedene Ursachen. Einige haben ein Problem damit, zu unmenschlichen Zeiten aus dem Bett gejagt und vom Staat zum Schulbesuch gezwungen zu werden. Andere kritisieren, dass wir in der Schule nicht für uns, sondern für unsere späteren Arbeitergeber lernen oder kotzen auf die vielen Hausaufgaben ab. Dazu kommt der gnadenlose Konkurrenzkampf unter den SchülerInnen, der vielen zu schaffen macht. Obendrei gehen einem noch autoritäre Lehrer mit ihrem unerträglich öden Frontalunterricht auf die Nerven. Die Klassen sind zu groß, die Schulgebäude heruntergekommen. Immer mehr zentrale Prüfungen wie der MSA und die Verkürzung der Abiturzeit auf 12 statt 13 Jahre führen zu einem noch extremeren Leistungsdruck. Das mehrgliedrige Schulsystem sortiert Schülerinnen und Schüler, die in den ersten Jahren mit dem Schulstoff Probleme haben nach der 6. Klasse aus. Besonders leiden sozial Schwache und Menschen mit Migrationshintergrund unter dieser Diskriminierung. Sie werden auf Hauptschulen mit Perspektivlosigkeit konfrontiert und als „Versager“ stigmatisiert. Die Bildung wird immer stärker den Bedürfnissen der Wirtschaft angeglichen.

Gleichzeitig werden die Kosten für Bildung durch Büchergelder und andere Bildungsgebühren immer stärker auf die Schüler_innen und deren Eltern umgelegt. Die Jugendarbeit der Bezirke wird nach und nach weg gekürzt, wie man an Jugendeinrichtungen bzw. deren Fehlen sehen kann – der Bezirk Pankow ist da nur eines von vielen Beispielen!
Die überarbeiteten Lehrerinnen und Lehrer haben kaum noch Zeit, auch pädagogische Arbeit zu leisten und ein persönliches Verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern aufzubauen. Stattdessen soll ihnen in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Wissen eingetrichtert werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte setzt dabei immer mehr die Wirtschaft. Interessensorientiertes Lernen: Fehlanzeige.

Wie wir sehen gibt es an der Schule und ihrem Zustand so einiges aususetzen. Damit wir uns nicht jeden Tag über die unwürdigen Zustände im Klassenraum aufregen müssen, ohne daran etwas zu ändern, wollen wir im Juni unsere Wut über dieses beschissene Schul- und Bildungssystem auf die Strasse tragen. Unterstützt werden die Schülerinnen und Schüler dabei von den Studierenden.

Denn auch an den Unis wird das Lernen immer unerträglicher. Die Hochschulen werden durch den Bologna-Prozess immer mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geordnet. Dadurch wird das Studieren noch stressiger, weil ähnlich wie in den Schulen bekloppte Benotungssysteme geschaffen werden. Studierendeverbände sprechen in dem Zusammhang von einer „Verschulung der Universiät“. Das heisst, dass selbsständiges und selbstbestimmtes Studieren immer mehr in den Hintergrund rückt und Frontalvorträge und stumpfes Auswendiglernen mehr Raum einnimmt.
Hinter den meisten dieser Probleme mit denen sich die SchülerInnen und Studierende herumschlagen müssen steckt der Sachzwang der kapitalistischen Verwertungslogik. Den in unserem Gesellschaftsystem stehen nicht die Menschen und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt, sondern die Reichtumsvermehrung der Wirtschaft. Und weil die sich gerade in der Krise befindet und dafür viel Geld vom Staat benötigt, um nicht unterzugehen, wird in Zukunft noch mehr Geld im Bildungsbereich eingespart. Jede Wette!
Es sei den wir hören auf, dem Treiben fassungslos und ohnmächtig zuzuschauen und beginnen mal ein bisschen aufzumucken und Remmidemmi zu machen. Denn um auf unsere Probleme aufmerksam zu machen müssen wir selbst Druck auf der Straße ausüben. Durch Versammlungen, Demonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsams.

Beteiligt euch an der bundesweiten Aktionswoche zum Bildungsstreik vom 15. bis zum 19. Juni!
Auf zur Schulstreik-Demonstration am 17. Juni!